Nachruf Booker-Gründer Martyn Goff gestorben

Jahrzehnte hat Martyn Goff den Booker Prize, den großen britischen Literaturpreis, betreut. Mit viel Gespür für die Bücher und mehr noch für die Kunst, sie und ihre Autoren ins Gespräch zu bringen.

Er hat Literaturgeschichte geschrieben, über Jahrzehnte hinweg, als Buchhändler und als Autor, vor allem aber, indem er 1968 Booker McConnell, Englands Lebensmittelfabrikanten, überredete, einen Literaturpreis zu sponsern, der erst der Booker-McConnell Prize hieß, dann der Man Booker Prize, und international als Booker Prize bekannt ist, der größte britische Literaturpreis, seit vorigem Jahr auch für amerikanische Autoren offen. Viele Jahre hatte Martyn Goff persönlich die Prozedur gemanagt - die Jury zusammengestellt und diplomatisch betreut, die Pressearbeit geleistet und kunstvoll kleine Indiskretionen ausgestreut. "Posh Bingo" hat Julian Barnes das Verfahren genannt.

Goff wurde 1923 geboren als Sohn eines Pelzhändlers, im Krieg ging er zur RAF, gründete danach eine Buchhandlung und schrieb selbst Romane, einige mit explizit homosexuellem Inhalt - der erste, "The Plaster Fabric", kam 1957 heraus, als es in England noch strafbar war, sich in der Öffentlichkeit als homosexuell zu geben. "The Youngest Director" erschien 1961 und veränderte nachhaltig die Haltung zur Homosexualität in England, das Buch wurde unter dem Titel "Der jüngste Herr im Vorstand" ein Erfolg in Deutschland.

Natürlich ist die Geschichte des Booker auch mit einer nicht enden wollenden Reihe süffiger Anekdoten gespickt - in die manche genervte, hoffnungsfrohe, enttäuschte Autoren verwickelt waren. Fuck off, hat Salman Rushdie - prämiert für die "Mitternachtskinder" - zu Goff gesagt, und John Berger - für "G" prämiert - hat den Preis mutwillig diskreditiert und die Hälfte seines Preisgeldes den Black Panthers übereignet. Am Mittwoch ist Martyn Goff im Alter von 91 Jahren gestorben.