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Nachruf:Bill Paxton gestorben

Bill Paxton

Filmhochschulen wiesen ihn ab, so wurde Bill Paxton Szenenbildner, fuhr quer durch L. A., um Requisiten für "Days of Heaven" und "Carrie" zu suchen.

(Foto: Olivier Anrigo/dpa)

Hollywood verpflichtete ihn gern für Blockbuster. Doch er bewahrte sich das Interesse für böse kleine Filme. Mit 61 Jahren ist der Schauspieler Bill Paxton gestorben.

Von Fritz Göttler

Er war ein Familienmensch, aber einer von der unberechenbaren Art. In "A Simple Plan", einem kleinen verschneiten Thriller aus Minnesota von Sam Raimi, findet er mit Bruder und Kumpel in einem abgestürzten Flugzeug viereinhalb Millionen Dollar. In "One False Move" ist er der Sheriff in Star City, Arkansas, der es mit einer durchgeknallten Bande Geldräuber zu tun kriegt - in beiden Filmen ist auch sein Freund Billy Bob Thornton mit von der Partie. In der TV-Serie "Big Love" hat er einen Heimwerkermarkt und einige Probleme mit seiner mormonischen Mehrweiberwirtschaft. In "Frailty", bei dem er auch Regie führte, ist er ein Vater in Texas, der von einem Engel gesagt bekommt, er müsse die Welt von Dämonen befreien - und deshalb zum Serienkiller wird. Ein radikales Werk: "Ich kannte die religiöse Landschaft des Films", sagte er.

Bill Paxton, der mit seiner Sturmlocke und seinem Texas-Drawl richtig verführerisch und dynamisch wirken konnte, wurde 1955 in Fort Worth, Texas, geboren, er kam mit achtzehn nach Hollywood, begann bei Roger Corman, als Szenenbildner bei "Big Bad Mama", spielte eine kleine Rolle in Jonathan Demmes "Crazy Mama" und wurde später gern für Blockbuster wie "Twister" oder "Apollo 13" verpflichtet. Doch er bewahrte immer das Interesse für böse kleine Filme wie "Frailty".

Für James Cameron spielte er in "Terminator", "Aliens", "True Lies" und "Titanic". Eine seiner schönsten Szenen muss man sich selbst imaginieren. Er war vier Jahre nach "Titanic" mit Cameron an den Unglücksort der Titanic gefahren, für Dokumentaraufnahmen. Cameron ging mit Mini-U-Booten hinunter, Paxton wartete oben. Es war der 11. September 2001. Die Twin Towers fielen, aber Paxton musste lange warten, bevor Cameron wieder hochkam: "Jim, die Welt hat sich verändert, seit du hinuntergingst. . ." In seiner Erinnerung ist Paxton ganz lakonisch: Wir fühlten uns ein wenig wie Überlebende. Am Samstag ist er im Alter von 61 Jahren gestorben.

© SZ vom 28.02.2017

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