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Nachruf auf Roger Moore:Meister der Selbstironie

Roger Moore rettete die Rolle des James Bond aus dem Kalten Krieg und machte sie fit für die Zukunft - indem er 007 in seiner ganzen Lächerlichkeit erstrahlen ließ. Er wird nicht nur als Schauspieler fehlen.

Nachruf von Julian Dörr

Über seinen Stil sagte der große Gentleman Sir Roger Moore einmal: "Manche Menschen werden mit einem silbernen Löffel im Mund geboren. Ich kam im Smoking auf die Welt." Es ist diese so durch und durch britische Haltung - das zärtliche Klammern an die eigenen Privilegien bei gleichzeitiger ironischer Distanzierung - die den Schauspieler in seiner Rolle als Geheimagent im Dienste ihrer Majestät zu einer Kinoikone werden ließ. Nun ist der Brite im Alter von 89 Jahren gestorben.

Roger Moore war James Bond. James Bond war Roger Moore. Keiner hat 007 länger und häufiger verkörpert als er. Auch wenn viele Fans Sean Connery als den Ur-Bond ansehen - keiner war so durch und durch der Agent mit der Lizenz zum Töten wie Roger Moore.

Die Rolle hat ihn vereinnahmt, natürlich. Hat seine Rollenbiografie und sein Leben geprägt. Aber auch er hat sie geprägt wie kein Zweiter. Roger Moore hat James Bond, diesen Dinosaurier des Kalten Krieges, fit gemacht für die Zukunft. Er hat ihn ins Weltall geschickt ("Moonraker") und in die hochtechnisierte Unterwasserfestung Atlantis ("Der Spion, der mich liebte"). Aber vor allem hat Moore James Bond von seiner lähmenden Ernsthaftigkeit befreit - und ihm die Selbstironie geschenkt.

Roger Moores Bond spielt mit den Frauen. Und die Frauen spielen mit ihm

Geboren wird Roger George Moore am 14. Oktober 1927 in Stockwell, einem Vorort von London, als Sohn eines Polizisten. Mit 15 Jahren besucht er eine Kunstschule, um Maler zu werden, später beginnt er eine Ausbildung in einem Trickfilmstudio. Von 1944 bis 1945 besucht er die Royal Academy of Dramatic Arts und spielt Theater in London. Der Militärdienst unterbricht seine künstlerische Karriere, der junge Moore wird nach Kriegsende in Deutschland stationiert.

Nach der Entlassung aus der Armee übernimmt Moore kleinere Rollen in Film, Fernsehen und auf der Londoner Theaterbühne. Die TV-Serien Ivanhoe und Maverick machen ihn populär, doch erst seine Rolle in der Krimiserie Simon Templar (Originaltitel The Saint) macht ihn zum Weltstar. Moore spielte den Detektiv als smarten Draufgänger, ein Frauenheld und prototypischen Bond, 120 Folgen lang. Die Serie wurde in mehr als 90 Ländern der Erde ausgestrahlt. Es ist der Beginn des großen Selbstironikers, der von sich selbst sagte, er könne ja nur gut aussehen, aber nicht spielen.

1973 spielt Roger Moore dann in "Leben und sterben lassen" ("Live and Let Die") zum ersten Mal die Rolle des James Bond. Es ist ein Paradigmenwechsel in der Kinowelt des britischen Geheimagenten.

Roger Moores Bond spielt mit den Frauen. Und die Frauen spielen mit ihm. Sicher, James Bond ist auch hier immer noch der große Verführer, aber die Zeiten des handgreiflichen Chauvinisten waren vorbei. Das Männerbild hatte sich verändert. Roger Moore überzeichnete seinen Bond, diesen virilen Übermann, und ließ ihn in seiner ganzen Lächerlichkeit erstrahlen.

In "Octopussy", zehn Jahre nach Moores erstem Einsatz, erreichte die ironische Brechung Bonds ihren Höhepunkt. In einer Szene gegen Ende steht der Agent in einer Zirkusarena - als Clown verkleidet und vor einer tickenden Zeitbombe. Keine Szene bringt das Bond-Franchise besser auf den Punkt: Wir schauen dem Clown dabei zu, wie er für uns in der Manege die Bombe entschärft. Lächerlicher war Bond nie. Aber auch nie größer.

Auch im Alter blieb Selbstironie die große Stärke des Roger Moore - ein Schutzpanzer wie poliertes Silber, immer hellwach, immer schlagfertig. Als Gast der Late Night Show knackte Moore selbst den Oberironiker Harald Schmidt. Man kann es heute in einem wundervollen Youtube-Video sehen. Zehn Minuten stammelt der Moderator wie ein kleiner Junge, der seinen Kindheitshelden getroffen hat. Der Schauspieler nimmt Schmidt elegant die Pointen aus der Hand. Und der kann immer wieder nur darüber staunen, was für ein unfassbarer Gentleman ihm da gegenüber sitzt. Manche werden eben im Smoking geboren.

© SZ.de/biaz/dd
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