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Nachruf auf Bodo Staiger:Gegen den deutschen Popmief

„Klänge für Millionen überwinden die Distanzen“ - "Rheingold"-Sänger Bodo Staiger.

(Foto: youtube)

Mit seiner Band "Rheingold" stand Bodo Staiger auf der coolen Seite der Neuen Deutschen Welle. Sein großer Hit "Dreiklangdimensionen" war eine kongeniale Mischung aus Krautrock und Elektro-Pop.

Von Jan Kedves

Zusammen mit Marius Müller-Westernhagen spielte er in den Jahren 1967 bis 1968 in der kurzlebigen Rock'n'Roll-Band mit dem sehr guten Namen Harakiri Whoom, mit dem späteren Kraftwerk-Schlagzeuger Karl Bartos gründete er die Jazzrockband Sinus. Der Musiker Bodo Staiger war ein wesentlicher Bestandteil der Düsseldorfer Musikszene.

Wirklich bekannt wurde er allerdings dadurch, dass er einen Popstar spielte - 1982 im Horrorfilm "Der Fan", der nur für das erwachsene Publikum zugelassen wurde. "Der Fan" ging in die bundesdeutsche Kinogeschichte ein, weil darin der schöne Popstar "R" (Staiger) von der obsessiven Schülerin Simone (Désirée Nosbusch) ermordet und zerstückelt wird. Nosbusch klagte damals gegen den Film wegen der ausgiebigen Nacktszenen. Während der Dreharbeiten war sie erst 16 Jahre alt gewesen.

Mit dem Poptrio Rheingold, das Staiger 1980 in Düsseldorf zusammen mit Lothar Manteuffel und Brigitte Kunz gegründet hatte, hatte er auch die Musik für den Film geschrieben. Staigers musikalisches Vermächtnis sind aber vor allem die "Dreiklangsdimensionen". "Klänge für Millionen überwinden die Distanzen", singt er in diesem bekanntesten Rheingold-Song. Das Stück blieb - abgesehen davon, dass es genau die richtige Balance zwischen Krautrock und Electro-Pop hat - auch deswegen immer toll, weil Rheingold zu jenem Flügel der damals sogenannten Neuen Deutschen Welle gehörten, der sich standhaft weigerte, in der ZDF-"Hitparade" oder bei "Melodien für Millionen" aufzutreten.

Es wäre ja auch paradox gewesen, vor Schlagerpublikum zu spielen, wo sich die westdeutsche Popszene damals so dringlich vom Schlagermief abgrenzen wollte. Wie nun bekannt wurde, ist Bodo Staiger am Mittwoch vergangener Woche im Alter von 70 Jahren gestorben.

© SZ vom 12.12.2019
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