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Nachrichten aus dem Netz (45):Wer den Blog hat, hat die Macht

Sie beschleunigen den Datenfluss und sorgen für öffentliche Aufmerksamkeit: Blogs. Der britische Observer hat jetzt die "50 mächtigsten Blogs der Welt" aufgelistet. And the winner is ....

Die Nachricht von Prinz Harrys Einsatz in Afghanistan, eine Anleitung zum Knacken der iPhone-Sperre und Bilder von Senator Barack Obama im traditionellen somalischen Gewand haben eines gemeinsam: Erst durch die Verstärkung von Blogs haben sie eine breite Öffentlichkeit erreicht.

Der britische Observer hat nun eine kommentierte Liste der 50 "mächtigsten Blogs der Welt" veröffentlicht. Die Autoren klären zwar nicht, was sie unter "Macht" verstehen. Dennoch stellen sie eine auch für das weniger internet-affine Lesepublikum interessante Palette vor, die zudem Überschneidungen mit Rankings wie jenen von "Technorati" oder "Wikio" aufweist - dort wird der Einfluss über die Zahl der Rückverweise in anderen Blogs bestimmt.

Auf Platz eins der Observer-Liste: die "Huffington Post" der Millionärin Arianna Huffington. Die "HuffPo", in der zahlreiche Prominente und Journalisten veröffentlichen, hat diesen Status mit politischen Berichten und liberalen Kommentaren in weniger als drei Jahren erreicht. Deutlich verspielter geht es bei dem Zweitplatzierten "Boing Boing" zu, einem "Verzeichnis wunderbarer Dinge", so die Selbstdarstellung.

Hier werden Darth-Vader-Geschirrhandtücher neben Kuchen in iPod-Form vorgestellt. Womit neben Spass und Politik gleich ein drittes wichtiges Interessengebiet von Blog-Lesern angesprochen ist: technischer Schnickschnack. Nachrichten aus der Technologieindustrie widmet sich die Seite "Techcrunch", im Observer-Ranking liegt sie auf Platz drei.

Noch deutlicher wird die Beliebtheit technischer Blogs in einem Ranking, das die Blog-Suchmaschine "Technorati" erstellt: "Engadget", "Techcrunch" und "Gizmodo, the Gadget Guide" führen dort. Und dass Technik-Freaks nicht notwendigerweise unpolitisch sind, beweist "Techcrunch" mit seiner Rubrik zu den US-Vorwahlen. Die Blogger wollen "Digital-Politik und technischen Fragen eine Stimme geben", stellen die technologiepolitischen Positionen der Kandidaten vor und geben eine Wahlempfehlung für einen Demokraten und einen Republikaner: Barack Obama und John McCain.

Bei allen Blog-Rankings wird die Dominanz amerikanischer Internetseiten deutlich. Gerade eine deutsche Seite hat es unter die Top 50 des Observer geschafft: Robert Basics "Basic thinking" (Platz 19), der auch die "Deutschen Blogcharts" noch vor "BILDblog." und "Spreeblick" anführt. Blogs wie jene, die unzensiert über China, Birma oder Saudi-Arabien berichten, tauchen in keiner der Listen auf, obwohl sie in den traditionellen Medien als Vorkämpfer der Pressefreiheit gelobt werden.

Ihre Autoren riskieren wie der in Saudi-Arabien inhaftierte Fouad al-Farhan viel: Das "Committee to Protect Journalists" hat festgestellt, dass weltweit fast jeder Zweite aller 2007 inhaftierten Journalisten ein Blogger ist. Im Falle al-Farhans, der über politische Gefangene in Saudi-Arabien schrieb und eine Liste mit den zehn unbeliebtesten Persönlichkeiten des Königreichs präsentiert, versuchen Freunde und Familie nun, sich der Reichweite amerikanischer Seiten zu bedienen: Auf "Youtube" veröffentlichten sie eine Botschaft von al-Farhans neunjähriger Tochter: "Ich liebe dich, Papa, ich vermisse dich, möge Gott dir helfen, aus dem Gefängnis freizukommen."