Nachfolge geklärt Der Alleslieber

Anthony Bramall wird neuer Chefdirigent am Münchner Gärtnerplatztheater

Von Rita Argauer

Bunt ist ein Adjektiv, das Josef E. Köpplinger, der Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, gerne benutzt. Bunt und offen soll sich sein Theater in einer immer ernster und strenger werdenden Welt präsentieren. Und bunt soll auch die Spielplangestaltung sein, so erklärte es Köpplinger bei der Pressekonferenz im vergangenen Frühjahr, bei der die gerade laufende Saison vorgestellt wurde.

Dort wurde auch bekannt gegeben, dass der Vertrag von Marco Comin, dem Chefdirigenten des hauseigenen Orchesters, über die nun laufende Spielzeit hinaus nicht verlängert würde. Nun, ein halbes Jahr später, hat das Theater Comins Nachfolger benannt: Der gebürtige Brite Anthony Bramall. Marco Comin fühlte sich bisher besonders zur Oper und zum Symphonischen hingezogen. Das Bunte in der Spielplangestaltung liegt für Köpplinger aber gerade in der Mischung der Sparten: Das Gärtnerplatztheater spielt Opern, begegnet aber auch Musicals und Operetten mit der gleichen Wertschätzung und vollzieht die Trennung zwischen vermeintlich ernstem Musiktheater und dem Unterhaltungsgenre gerade nicht. Man wünsche sich einen Chefdirigenten, der diese gleichwertige Liebe zu allen Genres, die das Theater spielt, entgegenbringt, hieß es damals.

Mit Anthony Bramall hat man nun einen solchen Alleskönner und vor allem Alleslieber gefunden. Bramall, geboren 1957 in London, studierte zuerst Gesang an der Guildhall School of Drama und schloss daran ein Dirigatstudium an. Sein Weg führte ihn bereits Anfang der Achtzigerjahre nach Deutschland, zuerst als Assistenten am Stadttheater Pforzheim, es folgten Engagements an den Theatern in Augsburg, Coburg, Hannover und Karlsruhe. "Ich bin mit Leib und Seele Theatermensch", sagt Bramall. Er liebe Opern, Operette und Musical. Daher sei es für ihn "wunderbar, an ein Haus zu kommen, an dem diese Sparten gleichbetont präsentiert werden".

Das Gärtnerplatztheater ist zudem kein neuer Ort für ihn. Ende November leitete er dort die Wiederaufnahme von "Così fan tutte", zuvor war er bereits als Gastdirigent für "Carmen" und Prokofjews "Die Liebe zu den drei Orangen" an seiner künftigen Wirkungsstätte engagiert. Derzeit ist Bramall noch stellvertretender Generalmusikdirektor an der Oper Leipzig, eine Stelle, die er seit 2012 inne hat und an der er eng mit dem Generalmusikdirektor und Intendanten Ulf Schirmer zusammenarbeitet, der in München durch seine Tätigkeit als Chef des Rundfunkorchesters bekannt ist. Während Schirmer aber seinen Posten in München zur kommenden Saison zu Gunsten von Leipzig abgibt, wechselt Bramall nun fest nach München, in eine Stadt, die für ihn eine "Traumstadt" sei.

"Mit Anthony Bramall kommt ein ausgezeichneter, als Chefdirigent erfahrener und in allen Genres des Musiktheaters beheimateter Künstler an unser Haus", freut sich Gärtnerplatz-Intendant Josef E. Köpplinger. Marco Comin, der seit 2012 Chef des Orchesters ist, hatte hier seine erste Stelle als Chefdirigent überhaupt. In dieser Zeit hat er das Profil des Orchesters indes sehr geschärft, sowie dessen erste alleinige Tournee im Jahr 2014 geleitet. In München wird er nun die laufende Saison beschließen, etwa mit der am Donnerstag, 8. Dezember, anstehenden Premiere von Henry Purcells Semi-Oper "King Arthur" sowie mit Mozarts "Don Giovanni", der letzten Premiere der Saison.