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Nach monatelangem Streit:Köln feuert Opernintendanten Laufenberg

Er sprach von einer "Intrige", Vertreter der Stadt Köln attestierten ihm "Wahnvorstellungen". Die monatelange Schlammschlacht zwischen dem Opernintendanten Uwe Eric Laufenberg und der Stadt Köln fand jetzt in der fristlosen Kündigung Laufenbergs ein vorläufiges Ende. Große Leidtragende des Streits sind aber die Oper und der Kulturstandort Köln.

Der Intendant der Kölner Oper, Uwe Eric Laufenberg, ist am Donnerstag von der Stadt Köln fristlos entlassen worden. Damit endet ein monatelanger Streit zwischen dem Opernchef und der Stadtspitze.

Köln entlässt Uwe Eric Laufenberg, Intendant der Kölner Oper

Uwe Eric Laufenberg wollte bis 2013 an seinem Posten festhalten: "Ich bin es den Sängern, den Mitarbeitern, den Teams, dem Publikum und mir selbst schuldig, dass ich die Spielzeit 12/13 noch durchführe." An der Pressekonferenz zu seiner fristlosen Kündigung durfte er nicht mehr teilnehmen.

(Foto: dapd)

Der Hauptausschuss des Stadtrates habe am Donnerstagnachmittag bei einer Sitzung über Personalangelegenheiten mehrheitlich für die Kündigung gestimmt, teilte Inge Schürmann, stellvertretende Sprecherin der Stadt Köln, mit. Zuvor sei außerdem ein Angebot für ein vorzeitiges Ende des bis 2016 laufenden Vertrags mit Laufenberg "ohne entsprechende rechtlich verbindliche Erklärungen des Opernintendanten" ausgelaufen.

Laufenberg hatte Verantwortliche der Stadt der Intrige bezichtigt und als unfähig kritisiert. Die Stadt kreidet ihm an, sich allen Bemühungen um eine Konsolidierung der Opernfinanzen zu verweigern. Ob Laufenberg nun juristisch gegen den Rauswurf vorgehen will, war zunächst nicht bekannt. Der Gekündigte wollte ursprünglich an einer Pressekonferenz im Rathaus teilnehmen, wurde jedoch gebeten, den Saal zu verlassen.

Für die Oper, die bereits Etatkürzungen und einen vorübergehenden Umzug in ein ehemaliges Musical-Zelt verkraften muss, ist das Zerwürfnis ein schwerer Schlag. Die Suche nach einem Nachfolger dürfte Monate dauern. Dem Kulturstandort Köln hätten die Querelen in jedem Fall geschadet, sagte Kulturdezernent Georg Quander bei der Pressekonferenz.

Laufenberg hielt an seinem Posten fest

Laufenberg und die Stadt hatten sich über Monate einen öffentlichen Streit über die Opernfinanzen geliefert. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger hatte der Intendant unter anderem gesagt, er sei in einer Art behandelt worden, "die an Schmutzigkeit nicht zu übertreffen" sei. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kölner Stadtrat, Martin Börschel, sprach dagegen von "Wahnvorstellungen" Laufenbergs, Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) von einem "unwürdigen und inakzeptablen Verhalten".

Laufenberg, der einen zu geringen Etat kritisierte, hatte seinen vorzeitigen Abschied nach der Spielzeit angeboten. "Wir leben in der viertgrößten Stadt eines der reichsten Länder der Erde", pflegt er zu sagen. Da frage er sich, warum die Oper nicht angemessen finanziert werden könne. Kritiker hielten Laufenberg dagegen vor, er habe seinen Etat überzogen. Laufenberg hatte gedroht, Köln müsse möglicherweise als "erste deutsche Stadt seit 1943/44" eine komplette Theatersaison absagen. So weit kam es dann nicht, aber wie die Oper mittelfristig mit deutlich weniger Geld auskommen soll, ist bisher weiter unklar. Die städtischen Bühnen erhalten von der Spielzeit 2013/14 an zwei Millionen Euro weniger.

Noch vor wenigen Tagen signalisierte Laufenberg dann, dass er seinen Posten nicht vor 2013 aufgeben wolle. "Ich bin es den Sängern, den Mitarbeitern, den Teams, dem Publikum und mir selbst schuldig, dass ich die Spielzeit 12/13 noch durchführe", hatte er dem Kölner Stadtanzeiger gesagt.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Winrich Granitzka, distanzierte sich von der Entscheidung des Rates. "Dies ist ein schwarzer Tag für die Kölner Kultur", sagte er. Zwar habe Laufenberg durch seine Äußerungen dazu beigetragen, dass es schwieriger geworden sei, die bestehenden Differenzen zwischen dem Opernintendanten und der Stadtspitze auszuräumen. Er fügte aber hinzu: "Wir haben Uwe Eric Laufenberg nicht nach Köln geholt, weil ihm großes diplomatisches Geschick nachgesagt wurde, sondern weil er unsere Oper in die erste Liga katapultieren sollte. Das ist ihm zweifelsohne gelungen." Er forderte zugleich den Oberbürgermeister dazu auf, für hochkarätige Nachfolge zu sorgen.

Laufenbergs künstlerischer Erfolg stand bei alldem nicht zur Debatte: Die Oper ist heute deutlich angesehener als vor seinem Amtsantritt 2009.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/mahu
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