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Schauspieler Gert Voss gestorben:Zusammenarbeit mit Bondy, Tabori und Zadek

Über seine schauspielerische Leistung als "Richard III." schrieb der Spiegel: "Voss ist ein Theater-Verführer, dem nur ein Klotz widerstehen könnte, und er wächst an seinen Handicaps: Der absolute Bösewicht mit Buckel, Klumpfuß, schiefer Fratze wird zum absoluten Liebling. Dieser Richard III. ist kein eisiges Scheusal und kein satanisches Monster, sondern ein Kind, das geliebt werden will ..."

Voss blieb der männliche Spitzenstar des Peymann-Ensembles an der Burg und spielte in fast allen Klassikerinszenierungen die Hauptrolle.

Nach glanzvollen Gastspielen in den Jahren 1994 und 1995 am Berliner Ensemble, an der Berliner Schaubühne und den Salzburger Festspielen kehrte Voss 1996 an die Burg zurück. Dort geriet Taboris Uraufführungsinszenierung von "Die Ballade vom Wiener Schnitzel" nach Einschätzung des Branchenblatts Die Deutsche Bühne vor allem wegen Voss "zu einem Höhepunkt der Wiener Saison".

In den folgenden 15 Jahren festigte Voss seinen Ruf, der beste deutsche Schauspieler des späten 20. Jahrhunderts zu sein, in der Zusammenarbeit mit den renommierten Regisseuren von Luc Bondy über George Tabori bis Peter Zadek.

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Zwei Großmimen und Schillers "Wallenstein": Beim Vergleich von Gert Voss und Klaus Maria Brandauer gibt es einen Sieger, der mit erhobener Tatze vom Platz geht. Der andere hinterlässt einen Haufen komödiantisches Kleinholz.   Christopher Schmidt

Karriere beim Film

Nachdem Voss einige Jahre nicht mehr mit seinem kongenialen Theaterpartner Peymann zur Vefügung gestanden hatte, auch weil sich die beiden zuletzt ernsthaft zerstritten hatten, kam es 2011 am Wiener Burgtheater wieder zu einer intensiven Zusammenarbeit. Dabei zelebrierte Voss in Thomas Bernhards Kammerspiel "Einfach kompliziert" eine Partitur eines grantelnden alten Schauspielers als zweistündigen Monolog.

Bejubelt wurde noch im Herbst 2012 Voss' Leistung als Professor Alexander in Matthias Hartmanns Adaption des "Onkel Wanja"-Stoffes von Tschechow am Wiener Akademietheater.

Auch eine Karriere beim Film war Voss vergönnt. Unter anderem drehte er neben Max von Sydow in Axel Cortis letztem Fernsehfilm "Radetzkymarsch". Unter der Regie von Dominik Graf wirkte er in der mit einem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten Komödie "Doktor Knock" mit und spielte einen befremdlichen Vater in Marc Rothemunds Thriller "Die Spur eines Mädchenmörders" in der ZDF-Serie "Anwalt Abel".

Voss hinterlässt seine Frau, die Dramaturgin und Regisseurin Ursula Voss sowie Tochter Christina, die ebenfalls Schauspielerin ist und in Wien ein eigenes Off-Theater leitet.

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