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"My First Lady" und "The Purge: Election Year" im Kino:Befreiung unterdrückter Triebe

Das Ergebnis ist eine dermaßen harmlose Wohlfühlromanze, die alle ernsthaften Brüche so stoisch vermeidet, dass vom Wort "Dramaturgie" eigentlich gar nicht die Rede sein kann. Was daran liegen könnte, dass die Obamas möglicherweise das falsche Pärchen für so ein Projekt der Exekutivliebschaftsbiografie sind. Der dramatische Schlusspunkt ihres Dates ist eine Eisdiele, zweimal Schoko bitte.

Vielleicht hätte sich Tanne lieber dem texanischen Hinterhof-Barbecue widmen sollen, auf dem sich George W. Bush und seine Laura 1977 kennengelernt haben. Eventuell ist das Problem aber auch der aggressive Wahlkampf, der gerade zwischen den Bewerbern um Obamas Nachfolge tobt. In der Schlacht zwischen Hillary Clinton und Donald Trump (aus dessen ersten Dates mit seinen künftigen Ehefrauen man eine ganze Serie machen könnte) wirkt der Zuckerwattetraum "My First Lady" wie von einem anderen Stern.

Der Zufall will es, das in dieser Woche noch ein anderer Film startet, der die aktuelle Stimmung in den USA deutlich besser trifft, und das ist der Horrorfilm "The Purge: Election Year". Die Grundidee: Im Amerika der nahen Zukunft ist die Verbrechensrate auf nahezu null gesunken und die Menschen leben glücklich und friedlich miteinander, weil sie sich einmal pro Jahr in der "Purge Night" abreagieren dürfen. Für eine Nacht dürfen die Bürger mit staatlicher Erlaubnis brandschatzen, morden und vergewaltigen. Diese limitierte Auflösung des Gesellschaftsvertrags sorgt dafür, dass die unterdrückten Triebe befriedigt werden und die Menschen danach wieder Ruhe geben und brav malochen.

Legitimierte Tötungsorgien, um die Massen ruhig zu halten

Dieses blutige Experiment ist keine ganz neue Idee in der Popkultur, auch die "Hunger Games" spielten zum Beispiel schon sehr erfolgreich mit staatlich legitimierten Tötungsorgien, um die Massen ruhig zu halten. Aber es gibt scheinbar genug Zuschauer für mehrere Filmserien über entfesselte Trieblust. Der Regisseur James DeMonaco hat bereits zwei "Purge"-Folgen gedreht, die beide viel Geld eingespielt haben. In Teil drei treibt er seine Idee weiter auf die Spitze. Die Purge Night sorgt weltweit für Begeisterung, weshalb blutdürstige Mördertouristen in Scharen ins Land einfallen, um ihre geheimen Gelüste ausleben zu können.

The Purge: Election Year im Kino

Einmal im Jahr darf in "The Purge: Election Year" mit staatlicher Erlaubnis gebrandschatzt, gemordet und vergewaltigt werden - damit das restliche Jahr Ruhe ist.

(Foto: Michele K. Short; Universal Pictures International France)

In Washington D.C. herrscht derweil Wahlkampf, und die konservative Partei New Founding Fathers of America (NFFA), die die Purge Night erfunden hat, bangt um die Wiederwahl. Eine junge Politikerin will das grauslige Schlachten beenden, bei dem die Menschen mit Messern, Macheten, Gewehren und sogar mobilen Guillotinen durch die dunklen Straßen ziehen, und bei dem sogar Teenager und Rentner sich in Bestien verwandeln. Um damit Schluss machen zu können, kandidiert sie fürs Weiße Haus, was der NFFA gar nicht passt. Sie wollen die Blutnacht nutzen, um die moralisch integre Frau umzubringen.

Wie eine perverse Slapstickvariante des echten US-Wahlkampfs wirkt dieser Film, wenn Mörderbanden mit den Masken alter US-Präsidenten durch die Straßen ziehen und moralische Werte predigen, während sie ihre Äxte schwingen.

Was bleibt, ist die Frage, was zuerst da war, im Kino wie in der Realität: Das Spektakel? Oder doch das Volk, das um jeden Preis unterhalten werden wollte.

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