Musiker und Friedensaktivist Folklegende Pete Seeger ist tot

Pete Seeger während eines Konzerts 1984 in Berkeley (Kalifornien)

"Where Have All the Flowers Gone?" und "We Shall Overcome" machte er zu Hymnen der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung: Pete Seeger ist in New York im Alter von 94 Jahren gestorben.

Seine Songs waren die Begleitmusik des politischen Engagements in den USA: Folklegende Pete Seeger ist am Montag (Ortszeit) im Alter von 94 Jahren gestorben, wie die New York Times berichtet. Er sei in einem New Yorker Krankenhaus eines natürlichen Todes gestorben, sagte sein Enkel der Zeitung. Der Musiker, Friedensaktivist, Politrebell und Umweltschützer war vor allem als Songschreiber bekanntgeworden. Er prägte die amerikanische Singer-/Songwriter-Bewegung entscheidend.

Zu seinen bekanntesten Liedern gehören "We Shall Overcome", das er aus alten Spirituals zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung in den USA machte, und "Where Have All the Flowers Gone?" - das Lied der Friedensbewegung. Es erreichte auch in seiner deutschen Fassung "Sag mir, wo die Blumen sind" große Bekanntheit und wurde von Marlene Dietrich, Hildegard Knef und Nana Mouskouri interpretiert. Auch Hits wie "Goodnight, Irene", "If I Had a Hammer" oder "Turn! Turn! Turn!" stammen von Seeger oder gehen auf ihn zurück.

Seeger wurde als Sohn einer Musikerfamilie 1919 in New York geboren. In den 1940er und 1950er Jahren galt er als Schlüsselfigur bei der Wiederentdeckung der amerikanischen Folk-Musik. Der Musiker, der ein fünfsaitiges Banjo und eine zwölfsaitige Gitarre spielte, sang damals vor allem für die Gewerkschaftsbewegung.

Boykott der kommerziellen US-Medien

Die McCarthy-Ära sorgte für einen Bruch in Seegers Karriere. Den Rechten im Lande wegen seiner kämpferischen Texte und seiner früheren Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei schon lange ein Dorn im Auge, wurde er 1955 vor das "Komitee für unamerikanische Aktivitäten" zitiert. Er verweigerte die Aussage und wurde zusammen mit dem Schriftsteller Arthur Miller und sechs weiteren Autoren der subversiven Tätigkeit für schuldig befunden.

Jahrelang boykottierten ihn die kommerziellen US-Medien, er musste sich in "kultureller Guerillataktik" - wie er es nannte - mit Auftritten in Privatschulen, Kirchengemeinden und Sommerlagern durchschlagen. Noch 1967 schnitt der Fernsehsender CBS seinen Vietnam-Protestsong "Waist Deep In The Big Muddy" aus dem Programm. Trotzdem erreichte er in den 1960er und 1970er Jahren große Bekanntheit, als er für die Bürgerrechtsbewegung, Kriegsgegner und Umweltschützer sang. Er war Mitbegründer der beiden einflussreichen Gruppen The Almanac Singers und The Weavers.

Wutanfall wegen Bob Dylan

Seeger rief außerdem die erste US-Volksmusikorganisation "People's Song" ins Leben und wirkte an dem Folk-Magazin Sing Out! mit. Legendär ist sein Wutanfall, als Bob Dylan 1965 bei dem von ihm mitgegründeten Newport Folk Festival erstmals mit einer elektrischen Gitarre auftrat. "Wenn ich eine Axt hätte, würde ich ihm sofort das Mikrofonkabel kappen", zürnte Seeger. Das Publikum buhte Dylan wegen der schlechten Tonqualität aus. Nichtsdestotrotz war Seeger Mentor für andere Folksänger wie Dylan und Don McLean und inspirierte auch den Rockstar Bruce Springsteen.

Obwohl er mehr als 100 Alben veröffentlichte, fühlte sich Seeger nie als Star. Seinen kommerziellen Erfolg nutzte er, um auf Umweltprobleme und politische Missstände hinzuweisen. "Mein Job ist es, zu zeigen, dass es gute Musik auf dieser Erde gibt und dass sie helfen kann, den Planeten zu retten, wenn sie richtig eingesetzt wird", sagte er 2009 der New York Times.

"How Can I Keep From Singing?" - Wie sollte ich je aufhören zu singen? Das ist der Titel eines Seeger-Songs und das war auch sein Lebensmotto, selbst als die Stimme etwas brüchig wurde. Noch 2008 erschien das neu aufgenommene Studio-Album "Pete Seeger At 89". Und auch politisch blieb er aktiv. Bei der ersten Amtseinführung von Barack Obama war der Auftritt des weißhaarigen Seeger mit Bart, Banjo und Zipfelmütze einer der Höhepunkte.

"Mit einem Song kann man seine Gedanken ausdrücken und gemeinsames Handeln fördern", sagte er einmal. "Ich glaube allerdings, dass nicht nur Lieder geschrieben werden müssen. Es muss auch gehandelt werden."