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Lieder gegen den Kapitalismus (Teil I):Fela Kuti - Zombie (1976)

Fela Kuti 1988 in Lagos

(Foto: AFP)

Kapitalismus ist auch ein Exportgut. Exportiert wurde er zum Beispiel nach Afrika. Was einst in Italien erfunden wurde, hat nach vielen Entwicklungsschritten die traditionellen Systeme des Wirtschaftens in Afrika längst abgelöst. Fela Kuti steht für den Widerstand gegen diesen Prozess der Verwestlichung. Er wollte Afrika zum kulturellen und geistigen Zentrum der Welt machen, predigte den Panafrikanismus. Und wurde so zum Staatsfeind in seiner Heimat Nigeria.

"Eine neue Art von Musik einzuführen, muss man sich hüten, weil es das Ganze gefährden heißt; denn nirgends wird an den Weisen der Musik gerüttelt, ohne dass die wichtigsten Gesetze des Staates mit erschüttert würden." Platon hat das geschrieben. Ob Fela Kuti den griechischen Philosophen gelesen hat, ist unklar. Aber an den zitierten Grundsatz geglaubt hat der Saxofonist und Sänger - und den Afrobeat eingeführt. Mit dieser explosiven Mischung aus nigerianischer Volksmusik, aus Calypso, Salsa, Funk und Jazz wollte Fela Kuti in geradezu größenwahnsinniger, messianischer Art und Weise die Welt verändern. Was er nicht für afrikanisch hielt, lehnte er ab: Islam und Christentum, Kommunismus und Kapitalismus - allerdings auch Feminismus und Homosexualität.

In dem zwölfeinhalb Minuten langen, sehr funkigen Song "Zombie" kommt diese Ablehnung, die Verachtung für die Machthaber in Nigeria, die für Fela Kuti Erfüllungsgehilfen imperialistischer und kolonialistischer Mächte waren, in besonderer Weise zum Ausdruck. Er vergleicht darin nigerianische Soldaten mit Zombies: "Zombie no go think, unless you tell am to think". Die Regierung reagierte mit maßloser Gewalt. Fela Kutis Kommune Kalakuta in der Hauptstadt Lagos wurde gestürmt und seine Mutter aus dem Fenster geworfen. Er selbst wurde verprügelt. Auch aufgrund dieser Reaktion gerieten der Song und das gleichnamige Album zu einem Fanal des Widerstands.

Sebastian Gierke