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Lieder gegen den Kapitalismus (Teil I):Ton, Steine, Scherben (1971)

Geschrieben von Bert Brecht und komponiert von Hanns Eisler, steht das "Einheitsfrontlied" für den Wunsch, dem Nationalsozialismus ein schlagkräftiges Bündnis aus Kommunisten und Sozialdemokraten entgegenzusetzen. Entstanden ist es im Jahr 1934, als sich Deutschlands Kommunisten und Sozialdemokraten heillos zerstritten und den Kampf gegen den Faschismus verloren hatten. Trotz seines martialischen Titels ist der Text weniger aggressiv als sozialkritisch und steht in Kontrast zur begleitenden Marschmusik. Brechts Humanismus spiegelt sich hier wider ("Und weil der Mensch ein Mensch ist") und seine Hoffnung auf eine vereinigte Arbeiterschaft angesichts ihrer Unterdrückung im kapitalistischen System.

Meine Kinder, 6 und 9, singen es voller Inbrunst gern auch mal auf dem 80. Geburtstag ihrer Oma vor CDU-Mitgliedern. Da lässt sich durchaus beobachten, wie es polarisiert: "Die armen Kleinen, voll indoktriniert" (CDU) bis zu "schön intoniert" (der Vater) und einer Oma mit offenen Mund. Der Text erschließt sich selbst, deshalb sei er hier wiedergegeben.

"Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zu essen, bitte sehr! / Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt, das schafft kein Essen her. / Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei! / Wo dein Platz, Genosse, ist! Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront / Weil du auch ein Arbeiter bist." ( Anm. d. Redaktion: ab hier im Interesse des Lesers gekürzt)

Der Text von Brecht setzte mit der Musik von Eisler das kommunistische Manifest kongenial in ein eingängiges Lied um. Leider ist die Interpretation von "Ton Steine, Scherben" nicht ihr bestes Stück, aber die Redaktion wollte ein Stück von Rio Reisers Band und nicht etwa von dem genialen Ernst Busch. Deshalb ist das hier mein Stück Widerstand gegen die herrschende Klasse, subversiv und thematisch passend.

Lars Langenau