Lieder gegen den Kapitalismus (Teil I) Bessie Smith - Poor Man's Blues (1928)

Bessie Smith auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1920

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Als die Blues-Sängerin Bessie Smith 1928 "Poor Man's Blues" war schrieb, war sie längst ein Star. Die Tochter einer verarmten Familie aus dem ländlichen Tennessee lebte in der blühenden Handelsstadt Philadelphia. Sie war die bestverdienende schwarze Entertainerin ihrer Zeit, spielte mit Louis Armstrong und ging in ihrem eigenen Eisenbahnwaggon auf Tour. Gerade deswegen war sie die perfekte Sängerin, um die bittere Anklage gegen die Reichen im Lande zu schreiben.

Bis dahin hatte sich der Blues kaum mit den Realitäten des Kapitalismus beschäftigt. In den Liedern, die vermeintlich um Liebe und Sex kreisten, verbargen sich die großen Themen des Verlusts der afrikanischen Heimat und die Unterdrückung in einem Land, das die Sklaverei zwar abgeschafft, aber den Rassismus immer noch nicht überwunden hatte.

Bessie Smith aber hatte an der Ostküste, am Broadway und in Hollywood die Welt des Reichtums erlebt. "Reicher Mann, öffne Dein Herz und Deinen Geist", sang sie da. "Gibt dem armen Mann eine Chance, hilf, diese harten, harten Zeiten zu beenden. Du weißt ja gar nicht, was harte Zeiten wirklich bedeuten." Das war ein großer Sprung vom Blues-typischen Lamento, dass die Geliebte am Morgen verschwunden ist und nur der Whisky darüber hinweg hilft.

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Andrian Kreye