Musik USA debattieren über neue Hymne

Es kann nicht schaden, wenn eine Hymne ganz sicher unfallfrei zu singen ist. In den USA ist das nicht unbedingt der Fall.

(Foto: AFP)

Regelmäßig scheitern selbst beste Sänger an "The Star-Spangled Banner" - oder verhunzen das Lied mit eigenwilligen Interpretationen. Zahlreichen US-Amerikanern reicht es jetzt. Sie fordern eine neue Nationalhymne.

Von Christian Zaschke, New York

Die vielleicht beste Interpretation der amerikanischen Nationalhymne stammt von der Sängerin Whitney Houston. Im Jahr 1991 trat sie beim Super Bowl auf, dem Endspiel der Meisterschaft im American Football, und sie schmetterte das Lied in einer Inbrunst, dass manchen Zuhörern die Tränen kamen. Nun sind amerikanische Patrioten gern gerührt bei solchen Anlässen, aber Houstons Darbietung war wirklich außergewöhnlich. Das gilt umso mehr, wenn man weiß, wie ungeheuer schwierig es ist, diese Hymne zu singen.

Seit das Lied "The Star-Spangled Banner" (Das sternenbesetzte Banner) im Jahr 1931 zur offiziellen Hymne der Vereinigten Staaten erklärt wurde, haben es unzählige Sängerinnen und Sänger verhunzt. Zuletzt hatte sich die Sängerin Fergie beim All-Star-Spiel der Basketball-Liga NBA daran versucht, und ihre Interpretation führte dazu, dass die Spieler ihr Lachen kaum verbergen konnten. Seither wird mal wieder eine Diskussion darüber geführt, ob nicht ein anderes Lied zur Hymne erklärt werden sollte. Eines, das man unfallfrei singen kann. "America The Beautiful" zum Beispiel, oder Irving Berlins "God Bless America". Oder gar "This Land Is Your Land" von Woody Guthrie.

"Zum Thema Risiko und Hymne gilt: Lass es sein"

Fergie hatte versucht, die Hymne sexy zu machen. Nachdem es dafür Kritik gehagelt hatte, erläuterte sie, sie sei nun mal jemand, der Risiken eingehe. Der Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel, der während Fergies Auftritt grinsend auf der Tribüne saß, sagte daraufhin: "Zum Thema Risiko und Hymne gilt: Lass es sein." Gleiches gelte im Übrigen für Risiko in der Gehirnchirurgie und beim Steuern von Schulbussen.

Eigentlich ist Fergie eine gute Sängerin. Dass sie an der Hymne scheiterte, liegt auch daran, dass diese in Teilen sehr tief und in anderen sehr hoch gesungen werden muss. Whitney Houston triumphierte, weil sie über eine enorme stimmliche Bandbreite verfügte. Selbst gute Vokalisten wie Michael Bolton oder Christina Aguilera haben Versionen gesungen, bei denen sich dem Publikum die Fußnägel aufstellten. Eine besonders krasse Darbietung stammt von der Komikerin Roseanne Barr. Diese schrie das ganze Lied, es war herzzerreißend mies, und bis heute ist unklar, ob sie mit Absicht so übertrieb oder es schlicht nicht besser konnte.

Eine Petition fordert das Ende des des unsingbaren "Star-Spangled Banner"

Barrs schrille Version war insoweit angemessen, als die Melodie von "Star-Spangled Banner" die eines englischen Trinkliedes aus dem 18. Jahrhundert ist. Der Text stammt von Francis Scott Key, der 1814 ein Gedicht über den Krieg gegen die Briten verfasste. Entsprechend ist die Hymne recht militaristisch, was auch immer wieder zu Forderungen führt, man solle ein anderes, ein friedfertigeres Lied wählen. In "America The Beautiful" wird in erster Linie die monumentale Landschaft der USA besungen.

Im Internet findet sich derzeit eine Petition, in der genau dieser Wechsel gefordert wird. An die Stelle des unsingbaren "The Star-Spangled Banner" soll das angenehm schnulzige "America The Beautiful" treten. Befürworter des Status quo könnten allerdings auf einen Auftritt des Sängers Meat Loaf verweisen. Dieser hat 2012 eine Version von "America The Beautiful" zu Gehör gebracht, neben der sich Fergies Fiasko ausnimmt wie der Gesang der Engel.

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