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Musik und Performance:Bach mit Blut und Waschmaschine

Bachs Matthäus-Passion wurde schon öfter auf die Bühne gebracht - aber noch nie mit einer Waschmaschine wie jetzt in Hamburg.

(Foto: Bernd Uhlig)

Castellucci ist derzeit der begehrteste aller Theatermacher. In den Hamburger Deichtorhallen hat er die Matthäus-Passion in eine radikale Lebensbefragung verwandelt.

Von Reinhard J. Brembeck

Dass der Sänger des Jesus für eine Aufführung von Bachs Matthäus-Passion sein Blut lassen muss, ist zumindest ungewöhnlich. Für den derzeit begehrtesten aller Theatermacher, für Romeo Castellucci, ist das allerdings völlig normal. Denn Castellucci verweigert sich dem Theater und dessen Faible für FakeWelten. In seiner Version von Dantes "Commedia" turnte eine Stunde lang ein Fassadenkletterer durch den Innenhof des Papstpalasts in Avignon, bevor das erste Wort gesprochen wurde. Für Glucks "Orpheus" filmte und übertrug er live den Besuch bei einer Wachkoma-Patientin. Das sind keine freien Assoziationen, sondern sinnfällige Illustrationen der jeweiligen Grundthemen: Bei Dante ist es das Herrumirren im existenziell dunklen Lebenswald; bei Gluck der vergebliche Versuch, Eurydike ins Leben zurückzuholen.

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