Süddeutsche Zeitung

Nachruf auf B. J. Thomas:Nimm das, elender Blues

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Mit "Raindrops Keep Fallin' on My Head" hat B. J. Thomas eine der unsterblichen Glückshymnen gesungen. Über einen, dem Hoffnung näher war als Gejammer.

Von Jakob Biazza

Ganz herausragende Unschuld, selbst für das Jahr 1969: Paul Newman als Butch Cassidy umgarnt auf einem Fahrrad Katharine Ross als Etta. Man balgt sich. Ein wenig Heu wird geworfen. Er macht ein paar Tricks - schau mal: freihändig; guck: ohne Füße; jetzt: rückwärts -, durchschlägt einen Zaun. Am Ende steht die Flucht vor einer Kuh.

Passabler Slapstick. Wie den ganzen Film "Butch Cassidy and the Sundance Kid" (deutsch: "Zwei Banditen") über. Aber dazu lief dieser Song: "Raindrops Keep Fallin' on My Head", geschrieben vom Komponisten/Texter-Duo Burt Bacharach und Hal David. Ukulelen-Intro, sanfter Shuffle-Groove, beschwipstes Klavier, ganz souveräne Stimme, große Leichtigkeit. Ein Lied, das man sich auch in diesen Tagen auf Repeat vorspielen sollte gegen den Corona-Blues.

Es regnet dem lyrischen Ich da auf den Kopf, nichts passt, er hat darüber schon mit der Sonne gesprochen, die wohl während der Arbeit pennt. Trotzdem weiß der Sänger, B. J. Thomas hieß er übrigens, sehr genau: "The blues they send to meet me / Won't defeat me / it won't be long, till happiness steps up to greet me." Die schlechte Laune, die mir gesandt wurde, wird mich nicht kleinkriegen. Bald grüßt das Glück wieder. Nimm das, elender Blues.

Es heißt, zuerst sollte Bob Dylan den Song singen. Der wollte nicht. Dann Ray Stevens. Auch der lehnte ab. Schließlich B. J. Thomas, der am Tag vor der Aufnahme eine Kehlkopfentzündung hatte, dann aber doch locker über das Arrangement tänzelte. Nach sieben Takes war ein Welthit fertig, der einen Oscar für den "Best Original Song" einbrachte.

1975 noch ein Nummer-eins-Hit. Im Titel alle Pop-Weinerlichkeit in zehn Wörtern

Etwa 70 Millionen Alben hat der als Billy Joe Thomas 1942 in Hugo, Oklahoma, geborene Sänger seither nach Zählungen seines Managements verkauft. Man kannte ihn vor dem Filmruhm schon etwas für den Titel "Hooked on a Feeling". Außerdem hatte er 1966, noch mit seiner Band The Triumphs, Hank Williams "I'm So Lonesome I Could Cry" gecovert. Das gleichnamige Album veröffentlichte er bereits als Solokünstler. Scepter Records nahm ihn unter Vertrag. In den Siebzigern wechselte er kurz und unglücklich zu Paramount. 1975 dann noch mal ein Nummer-eins-Hit mit dem herrlich ironischen Titel "(Hey Won't You Play) Another Somebody Done Somebody Wrong Song". Spiel doch noch mal einen Song, in dem irgendwer irgendwem übel mitspielt. Die ganze Pop-Weinerlichkeit in zehn Wörtern.

In der Folge sang Thomas mehr Country. Und Gospel. Von 1977 bis 1981 gewann er jedes Jahr den Grammy - "Best Inspirational Performance", "Best Gospel Performance". Den letzten für seine Version von "Amazing Grace" - als Weißer. 2014 wurde "Raindrops" in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.

Im März hatte Thomas bekannt gegeben, dass er an Lungenkrebs erkrankt war. Auch hier: viel Hoffnung, wenig Gejammer. Er wolle diese "einmalige Gelegenheit" nutzen, um seiner Frau Gloria zu danken, schrieb er auf seinen Social-Media-Kanälen. Mehr als 50 Jahre waren sie verheiratet. Drei Töchter. Außerdem ließ er wissen, wie gesegnet er sei, seine Musik aufnehmen zu können. Am Samstag ist er im Alter von 78 Jahren gestorben. 29 Grad waren es in Arlington, wo er zuletzt lebte. Kein einziger Regentropfen. Und selbst wenn.

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