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Musik:Jean Rondeau spielt Scarlatti

(Foto: ERATO)

Er ist derzeit sicherlich nicht nur der spannendste und vielversprechendste Cembalist. Jean Rondeau hat in vielen Konzerten und ein paar CD-Einspielungen auch schon vieles Versprochene eingelöst. Nicht unbedingt mit dem üblichen Repertoire, oft mit entlegeneren Werken, etwa der Bach-Familie, sodass es nebenbei immer eine hübsche Entdeckungsreise ist, dem jungen Franzosen zuzuhören. Auf seinem nun erschienenen Album nähert er sich aber einem Komponisten, der neben Rameau zum unumgänglichen Kernrepertoire des Cembalos gehört: dem italienischen Barockkomponisten Domenico Scarlatti, in dessen kurzen zweiteiligen Sonaten es weniger um ausgedehnte Entwicklungsprozesse geht wie in der klassischen Sonate, sondern um Originalität, anschauliche Tonmalerei, überraschenden Esprit. Hierfür ist der elegante unangestrengte Tastenvirtuose gefragt, der dennoch den einen oder anderen musikalischen Hintergedanken parat hat und sich auch durch noch so kompliziertes Rankenwerk nicht verwirren oder zu oberflächlichem Geplänkel hinreißen lässt. Jean Rondeau ist so ein Musiker, dem das Virtuose leicht fällt und die Leichtigkeit des Spiels viel Raum verschafft für schweifende Gedanken. Die kann man natürlich nicht hören, aber man kann sich von seinem Spiel ebenso anregen lassen wie er sich durch sein Spiel quasi selber inspiriert. Dabei entstehen immer wieder neue interessante Abweichungen, überraschende Details blinken auf. Sie sind aber nur eine Ebene von Rondeaus musikalischen Gedankenspielen. Lange Zeit wurden Scarlattis Sonaten ja nur als Effekt-Happen gehandelt, in Konzerten nur als Zugaben gespielt. Rondeau holt sie zurück in den großen Salon. Selbst die abgedroschensten Stücke frischt er auf, als seien sie nie aktueller gewesen als im Moment. Das Wichtigste dabei: die Musik gelten lassen, nicht das eigene Ego über ein Werk stülpen, das schon sehr genau komponiert ist. Domenico Scarlatti hat mindestens 14 Opern und vieles mehr komponiert - das man heute nicht mehr kennt. Seine Sonaten aber waren schon zu Lebzeiten hoch geschätzt und wirkten auf andere Komponisten und deren Werke bis hin zu Bachs Goldberg-Variationen. Bei Jean Rondeau erfährt man, was diese Stücke so wertvoll macht.