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Musik:Erster Aufguss

Die Band "Die Sauna" veröffentlicht ihr Debütalbum

Treibende Gitarren, ein düsterer Sound, melancholisch bis schwermütig. Die deutschen Texte erschaffen Welten, in denen Sehnsüchte und Albträume miteinander zu verschmelzen scheinen: Die Musik von Die Sauna klingt manchmal wie eine deutsche Antwort auf Joy Division. Zwei der sechs jungen Männer, die diese eigenwillige Musik machen, sitzen in einem Café und tragen zu kleine Mützen, eine in schwarz, eine in rosa. Sie sind gut gelaunt, was man beim Hören ihrer Liedzeilen nicht vermuten würde. "Die Texte sind nicht absichtlich melancholisch, das passiert irgendwie. Wir jammen erst, dann entstehen die Emotionen unter dem Einfluss der Instrumente", sagt Sänger Matthias Berg.

Die Band, 2016 am Schliersee gegründet, bekommt viel Lob für ihre abstrakten Texte, die sich vom deutschen Pop-Einheitsbrei abheben. Das schaffen sie durch Reduktion. "Im Deutschen musst du viel rausnehmen, damit es nicht zu offensichtlich klingt", sagt Berg. In dem Stück "Das geometrische System" gibt es Zeilen wie "Kann man überhaupt noch rebellieren?, Ist es möglich, dich nicht zu verlieren?, Wenn nichts funktioniert, ein definiertes Überleben, ein geometrisches System". Manche verstehen das als einen Song über die Liebe, andere erkennen darin Gesellschaftskritik. "Das ist doch total schön, wenn man einen Interpretationsspielraum erschafft", sagt Gitarrist Thomas Volk.

Tiefenentspannt und tiefgründig: Sänger Matthias Berg (vorne) und Gitarrist Thomas Volk (vorne rechts) knuddeln mit ihren Bandkollegen.

(Foto: Susanne Steinmassl)

Mit ihrem Debütalbum "So schön wie jetzt war es noch nie" ist die Band aktuell auf Tour, insgesamt spielen sie 14 Konzerte, das letzte findet am Samstag im Münchner Ampere statt. Seit der Gründung hat Die Sauna schon viel erreicht, wovon die meisten jungen Bands träumen: sie haben erst beim Sprungbrett-Bandwettbewerb mitgemacht, den sie zwar nicht gewonnen haben, dafür aber in ein Förderprogramm aufgenommen wurden. Es folgte die EP "Elektra" mit vier Songs. Die gefiel der bekannten österreichischen Band Wanda so gut, dass Die Sauna als Vorband spielen durfte. Noch eine Spur größer ging es auch noch, bei einem Konzert traten sie vor den Indie-Legenden von Tocotronic auf. Angesprochen auf diese Erfolge zucken Volk und Berg meistens die Schultern: "Das hat sich irgendwie so ergeben, oder?" - "Ja".

Mit ihren Erfolgen gehen die sechs Jungs selbstbewusst um. Betreut werden sie dabei von Marc Liebscher, der auch die Sportfreunde Stiller unter Vertrag hat und immer wieder ein gutes Gespür für deutsche Musik bewiesen hat.

Obwohl Die Sauna als eine der spannendsten Münchner Bands gehandelt wird, sehen sie selbst sich gar nicht als Münchner: "Wir mussten halt 'ne Großstadt angeben, weil keiner weiß, wo wir herkommen. Hätte auch Düsseldorf sein können", sagt Volk. Auch die ausufernden Spekulationen über ihren Musikstil sehen sie gelassen. Sie selbst sind von der Musik inspiriert, die sie alle sechs gerne hören: New Wave der Achtzigerjahre und den Indierock, der nach der Jahrtausendwende in New York gespielt wurde. Dazu mischt sich der eigene Sound der Band, der von den fünf brachial gespielten Instrumenten und der Verwendung von sehr vielen Tonspuren geprägt ist. Gemeinsam mit Textzeilen wie "ich hab geglaubt, ich könnte fliegen, doch du trägst mich nicht" klingt das wie tanzbare Depression.

Die Sauna wird oft mit den österreichischen Bands Bilderbuch und Wanda verglichen, doch außer dem deutschsprachigen Gesang hat Die Sauna weder etwas mit dem schnoddrigen, mit Wiener Schmäh vorgetragenen Indierock von Wanda, noch mit dem flamboyanten, sexuell aufgeladenen Pop von Bilderbuch gemein.

"So schön wie jetzt war es noch nie" heißt das ironisch betitelte Debütalbum, denn sowohl politisch als auch gesellschaftlich hat die Band viel zu kritisieren, nachzuhören etwa in dem nach dem Album benannten Song. "Aber trotzdem ist ein Funke Hoffnung dabei. Und das transportieren wir auch subtil in unserer Musik", sagt Volk. Und wie kam die Band nun dahin, wo sie jetzt ist? Zusammen mit dem Bandnamen entwickelten sie den Gründungsmythos, dass sich die sechs Mittzwanziger in einer Sauna kennengelernt hätten. Eine spontane Idee. Denn die sechs Jungs kennen sich seit Schulzeiten, schon damals machten sie zusammen Musik.

Ausgearbeitete Konzepte und Etappenziele gab es nicht, aber dafür die Freude, wenn doch etwas geklappt hat: Konzerte, Kritiken in renommierten Medien. Die Sauna machen nicht viel Aufhebens um ihre Kunst. Druck macht ihnen dabei niemand, die Plattenfirma gibt Tipps, die sie manchmal befolgen, manchmal nicht. Als die Plattenfirma ihnen Titel für die Singleauskopplungen vorschlug, hörten sie sich das an und entschieden dann anders. Unter Zwang funktioniert Die Sauna nicht.

Deswegen wird das nächste Album auch wohl erst in zwei Jahren erscheinen, sagt Volk. Es wird anders werden als das Debüt, purer, fokussiert auf die sechs Musiker. Zum Brainstormen für die neue Platte hatte sich Die Sauna für einige Tage in einer abgelegenen Hütte in Tschechien zurückgezogen, ohne Lagerkoller oder Stress. Streit, so sagen Volk und Berg, gebe es bei der Sauna eigentlich nie. Wahrscheinlich ist die Band Die Sauna dafür einfach zu entspannt.