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Musik:Die schönen Seiten der Szene

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Im Bilde: "Pictures at an new exhibition" heißt das Programm des Modern String Quartet. Zu hören am Samstag, 7. Dezember, in der Black Box im Gasteig.

(Foto: Modern String Quartet)

Das Jazzfest München ist Leistungsschau und Selbsthilfeforum zugleich. In der 30. Ausgabe widmen sich Musiker wie das Modern String Quartet dem Motto "Bilder einer Ausstellung"

Nun also die zweite Runde: Im Oktober gingen die ersten Abende des "Jazzfests" der Jazzmusiker-Initiative München (J.I.M.) im Gasteig über die Bühne, jetzt folgen drei Tage am Stück - hat man heuer doch 30-jähriges Bestehen zu feiern. Die inzwischen auch vom Kulturreferat geförderte Selbsthilfe und Leistungsschau der hiesigen Musiker hat also Tradition. Und sie ist wichtig in einer Stadt, in der die Zahl der guten Jazzer kontinuierlich angewachsen ist, ganz im Gegensatz zur Zahl der Gelegenheiten, hier auftreten zu können. Zwei Schwerpunkte kann man bei den neun Konzerten (also drei pro Abend) von Donnerstag bis Samstag ausmachen, einen eher formalen und einen inhaltlichen.

Es präsentieren sich auch Institutionen, die neben den Leuchttürmen wie der Unterfahrt und dem Jazzinstitut der Musikhochschule seltener im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen, die aber für die lokale Szene nicht minder wichtig sind. Der Bayerische Jazzverband stellt seine Förderpreisträger (Donnerstag, 21.30 Uhr) vor: Das Duo des Gitarristen Christian Bekmulin und des Pianisten Valentin Findling, beide noch Studenten der Jazzabteilung der Würzburger Musikhochschule, werden ihren Programmtitel mit Leben erfüllen: "Waghalsig improvisiert".

Das Freie Musikzentrum München, nicht zuletzt als studienvorbereitende Ausbildungseinrichtung zuletzt immer wichtiger geworden, feiert beim Jazzfest sein 40-jähriges Bestehen mit dem Auftritt einer Dozentenband, die, besetzt mit dem Saxofonisten Till Martin, dem Posaunisten Mathas Götz, dem Gitarristen Geoff Goodman, dem Pianisten Max Osvald, dem Bassisten Eugen Apostolidis, dem Schlagzeuger Matthias Gmelin und der Sängerin Caro Roth, eine All-Star-Band der Szene ist (Freitag, 20 Uhr). Eine ähnliche Supergroup hat sich mit Irmi Haager, Hugo Siegmeth, Josef Reßle, Andreas Kurz und Bastian Jütte als Bayrisch Jazz Group zusammengefunden (Donnerstag, 22.30 Uhr). Der zuletzt immer weiter vertiefte Austausch der Münchner mit der litauischen Szene tritt beim in Zusammenarbeit mit dem litauischen Kulturinstitut veranstalteten Programmpunkt "Jim trifft Vilnius" in Erscheinung: Der Holzbläser Markus Heinze und der Schlagzeuger Walter Bittner begegnen dem Pianisten und Keyboarder Dmitry Golovanov und dem Sopransaxofonisten Jan Maksimovič (Freitag, 22.30 Uhr). Das Finale am späten Samstagabend bestreitet die von Christofer Varner geleitete Bigband des Pestalozzi-Gymnasiums, das eine der wichtigsten Kaderschmieden der heimischen Musikszene ist.

Dass man beim Jubiläums-Jazzfest spannende und vor allem einmalige Konzerte erleben kann, dafür sorgt auch, dass das Team um den J.I.M.-Vorsitzenden Andy Lutter das sonst gerne etwas schwammige Motto heuer mehr oder weniger in einen Arbeitsauftrag verwandelt hat: "Bilder einer Ausstellung" heißt es. Die Sängerin Nina Michelle setzt das schon zur Eröffnung um, indem sie nicht nur ihr Quintett, sondern auch eigene Gemälde vorstellt (Donnerstag, 20 Uhr); das Modern String Quartet geht das Thema mit "Pictures at an new exhibition" wortwörtlich an, indem es sich neu und auf seine Art mit Modest Mussorgskys bereits von Ravel bis Emerson, Lake & Palmer bearbeiteter Programmmusik befasst - "Framed in Jazz" (Samstag, 20 Uhr). Das Duo Elwood & Reßle tut sich mit der Performance-Künstlerin Ruth Geiersberger zusammen, um in "eine Zeitreise 1877. 1966. 2019" die Monumentallandschaften von Frederick Edwin Church, die Fotografie von Helmut Newton und den Entstehungsprozess einer Installation musikalisch-sprachlich zu interpretieren (Samstag, 21.30 Uhr).

Jazzfest München, Donnerstag bis Samstag, 5. bis 7. Dezember, 20 Uhr, Black Box, Gasteig, Rosenheimer Straße 5