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Musical:Wachgeküsst

Dornröschen Deutsches Theater

Die Stimmung kippt: Dornröschens 17. Geburtstag ist aufgrund einer etwas ausgedehnten Schlafphase eigentlich ihr 117.

(Foto: Hendrik Nix)

Ein modernes "Dornröschen" im Deutschen Theater

Sie tanzen und singen, schwingen Tücher und Besen. Pailletten glitzern, Teller fliegen. Das kann nur eine Musicalpremiere sein. Walt Disney würde ob dieser Anfangsszene von "Dornröschen" vor Neid erblassen. Auch dieses Jahr gastieren die Brüder-Grimm-Festspiele Hanau zwei Wochen lang am Deutschen Theater in München, um hier eine moderne, man möchte fast sagen "schmissige" Musical-Adaption des Klassikers zu zeigen. Die Handlung: Dornröschen (Sophia Euskirchen) wird von der guten Fee Aurora (Janne Marie Peters) am letzten Tag ihres hundertjährigen Schlafes geweckt. Der Haken an der Sache: Eigentlich schläft sie noch und muss im Traum dafür sorgen, dass Prinz Alexander sie tatsächlich wachküsst. Klingt ein bisschen nach dem Science-Fiction-Film "Inception" frei nach den Gebrüdern Grimm. Und ist mindestens genauso verwirrend.

Aurora führt Dornröschen und das Publikum durch ihre Vergangenheit - die Hauptperson ist abwechselnd begeistert und entsetzt, während sie dem wilden Treiben auf der Bühne zuschaut und von Aurora immer wieder in die Szenen gezaubert wird. Die Zuschauer verfolgen Dornröschens ganzes Leben, leiden und lachen mit ihr. Dass die Protagonistin etwas eigensinnig ist, verleitet den Hofmarschall zu einem Zitat aus der Kinokomödie "Fack ju Göhte": "Dornröschen, heul leise!". Die Zuschauer glauben mehr zu wissen als die Figuren und wiegen sich in Sicherheit, bis sie völlig überrascht werden und das Mitfiebern vor dem großen Finale beginnt.

Sowohl die jungen als auch die älteren Zuschauer sind bei der sehr charmant inszenierten Kennenlernszene von Dornröschen und ihrem Auserwählten gebannt und lachen über den Schlagabtausch, den sich Prinz Alexander (Kurosch Abbasi) und Dornröschen liefern. Das ganze Ensemble ist stimmgewaltig, allen voran Franziska Becker, die es schafft, die Boshaftigkeit ihrer Figur mal leise drohend, mal laut grollend darzustellen und auch die Verletzungen der bösen Fee intoniert.

Der Komponist Marian Lux sitzt im Publikum und singt fast jedes Stück mit, nach dem grandiosen Terzett der drei Feen wird er von seinem Sitznachbarn umarmt. Der Song ist ein Höhepunkt. "Wir haben auch beim Schreiben gesagt, dass wir hier drei starke Frauen haben, dass muss einfach knallen", sagt der Autor Wolfgang Adenberg nach der Vorführung. Rettender Prinz hin oder her, dieses Stück gehört auf jeden Fall den Frauen. "Dornröschen ist eine sehr emanzipierte Figur", betont Adenberg. Diese Emanzipiertheit fällt bei Dornröschen sehr launisch aus, aber sie ist ja auch erst 17.

Dornröschen - Das Musical , läuft noch bis 31. August, Mi.-Sa. 19.30 Uhr, So. 16 Uhr, Deutsches Theater, Schwanthalerstraße 13, t 55 23 44 44