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Museumspolitik:Dialog im Chaos

Festakt zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt

Monika Grütters beim Festakt zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt am 14.09.2019 in Berlin.

(Foto: Carsten Koall/dpa)

Die Kulturbeauftragte Monika Grütters äußert sich nach Anfragen der Grünen und der AfD zum Zustand ethnologischer Sammlungen.

Regenwasser im Depot, zerfresse Kunstwerke, und Kuratoren, die nicht wissen, was sich in ihren Sammlungen befindet: Das waren einige der Befunde, die die SZ vor zwei Monaten in den ethnologischen Museen in Hamburg, München und Berlin machte (SZ vom 9. Juli). Anlass dafür waren die in der Restitutionsdebatte gern bemühten Argumente, Objekte aus Afrika seien in deutschen Museen besser aufgehoben als in afrikanischen Institutionen. Und sollten Vertreter der Herkunftsgesellschaften nach ihrem verlorenen Kulturgut suchen, stünden ihnen die deutschen Häuser ja offen, samt Inventaren und Archiven.

Besonders erschreckend war die Situation im Ethnologischen Museum in Berlin, einer Bundeseinrichtung. Sowohl die Grünen als auch die AfD-Fraktion im Bundestag haben zu den Zuständen dort eine Anfrage gestellt. Nun hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters geantwortet.

Die baulichen Probleme beschönigt sie nicht. Es gebe "Sanierungsbedarf", heißt es lapidar, die Situation sei "verbesserungswürdig". Wie und wann die Verbesserung geschehen soll, führt sie nicht aus. Und auch darüber, wie viele Objekte bereits durch die bauliche Situation oder den Insektenbefall zu Schaden gekommen seien, gibt es keine Auskunft. Sie hält die Maßnahmen der Museen aber für ausreichend.

Ein Museumsgesetz, das die Museen in die Pflicht nimmt, lehnt sie ab

Viele der insgesamt 40 Fragen betrafen die Inventare und ihre Digitalisierung. In den Museen arbeitet man teils noch mit 100 Jahre alten Karteikarten. Auch die Kriegsverluste wurden oft nie aufgearbeitet. Viele Institutionen können deshalb nur mutmaßen, was sie überhaupt besitzen. Das macht die Suche nach Objekten für die Kuratoren extrem aufwendig, für Außenstehende oft nahezu unmöglich.

Alle 500 000 Werke des Ethnologischen Museums und seines kleinen Nachbarn, des Museums für Asiatische Kunst, seien inventarisiert, so Grütters in ihrer Antwort. Allerdings seien davon nur 406 000 "recherchierbar". Nur ein Drittel der Bestände der beiden Museen seien digitalisiert. Auf die Frage, wie lange das dauern werde, heißt es: "mehrere Jahre". Entgegen der immer wieder gehörten Klage, die Digitalisierung Hunderttausender Objekten sei unmöglich neben der laufenden Arbeit zu schaffen, hält die Regierung den "Personalansatz bei regulärem Betrieb" für "angemessen". Im Übrigen verweist Grütters auf die von ihr zusätzlich bewilligten Mittel beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. Ein Museumsgesetz, das die Museen verpflichtet, ihre Bestände zu inventarisieren, zu digitalisieren und online zu stellen, lehnt sie ab.

Bei den meisten parlamentarischen Anfragen geht es um die erfragten Auskünfte eher am Rande. Erkenntnisse stellen sich eher zwischen den Zeilen ein. So auch hier. Für die Regierung, das wird aus den Antworten klar, geht es um zwei unterschiedliche Sphären: Hier der viel beschworene "Dialog" mit den Herkunftsländern, die Aufarbeitung des kolonialen Kunstraubs, die Frage nach Restitutionen. Und dort eben die Museen mit ihren jeweiligen Unzulänglichkeiten. Dabei ist das eine vom anderen nicht zu trennen. Ohne eine neue Kultur der Museen ist der "Dialog" nicht zu haben.