Museumsgastronomie Snack, lass nach

Beim Speisen Busse zählen: Bis 10. September können sich Wirte um einen gastronomischen Betrieb im Berliner Humboldt-Forum bewerben. Wären nur alle Konzepte zu dem Kulturprojekt so handfest gewesen wie diese Ausschreibung!

Von Jens Bisky

Was Friedrich Wilhelm I. aß, der das Berliner Schloss vollenden ließ, ist gut dokumentiert. An der königlichen Tafel wurde viel und deftig gegessen: Fisch, Fasan, Hase, Wildpastete mit Nierenfett, weiße Rüben mit Hammelfleisch und vieles mehr. Die Leibesfülle des Soldatenkönigs - gegen Ende wog er 134 Kilogramm bei 1,64 Metern Höhe - kam nicht von ungefähr. Und selbstverständlich wurde dazu kräftig gebechert und geraucht.

Weniger gesundheitsgefährdend wird es in den Lokalen hinter den neuen Schlossfassaden zugehen, die von der Stiftung Humboldt-Forum im Berliner Schloss ausgeschrieben worden sind: zwei Cafés, ein Bistro und zwei Restaurants mit insgesamt 1200 Plätzen. Dazu kommen Snack-Stationen und "Pausen-Gastro".

Die Ausschreibung ist erfreulich konkret, was man den meisten Papieren und Konzepten zum ehrgeizigen Bundeskulturvorhaben bisher nicht nachsagen konnte. Schauen wir vom Lustgarten auf das äußerlich schon weit gediehene Haus. An der linken Ecke, kurz vor der abweisenden Neubaufassade, die einem Versicherungskonzern gut anstünde und das Forum gegen die Stadt östlich der Spree abriegelt, wird im Erdgeschoss ein Restaurant eingerichtet, mit Außenplätzen, von denen aus sich trefflich Busse, Autos oder Touristen zählen lassen.

Ein Portal Richtung Westen weiter ersteht - ebenfalls im Erdgeschoss - ein Bistro. Das erste Obergeschoss wird zur Kaffee-Etage: Ein Café kommt in die Berlin-Ausstellung, eines in die Treppenhalle. Dort kann auch Cappuccino trinken, wer keinen Eintritt bezahlt hat.

Am teuersten wird für den Humboldt-Berliner und seine Gäste ein Besuch im Dachrestaurant. Und man kann darauf wetten, dass es arg beliebt sein wird. Wer einen der 125 Innenplätze ergattert, dürfte neidisch auf die maximal vierzig Besucher schauen, die draußen auf dem Dach tafeln und, was immer auch die Kuratoren im Innern veranstalten mögen, eine Hauptattraktion des Schlosses genießen: den Blick auf die Stadt.

Für die Ausschreibung rechnet man mit drei Millionen Besuchern im Jahr. Das Forum, heißt es, wolle "eine Auseinandersetzung wagen, die den vielschichtigen Beziehungen zwischen Deutschland und der Welt gilt". "Regionale Fokussierung" und "Aktionen ethnischer Küchen" sind in den Restaurants erwünscht. Insgesamt sollen die Kneipen erschwinglich, Teil des Gesamterlebnisses, aber auch für sich und am späten Abend anziehend sein. Bis 10. September läuft die Ausschreibung, die Konzessionen werden in einem zweistufigen Verfahren vergeben. Schon im November 2019 soll der Regelbetrieb beginnen. Das ist quasi übermorgen. Vielleicht erfährt man demnächst sogar, wie die Stadt das neue Kultur- und Frohsinns-Zentrum neben der Spree in ihre Mitte integrieren will. Das Gastro-Konzept erinnert daran, dass dieses Haus mit den Museen den Charakter der gesamten Gegend grundlegend ändern wird.