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Berliner Museum der Moderne:Maßlose Größe bei konzeptueller Armut

Der Entwurf vom Museum der Moderne in Berlin

Entwurf des Museums der Moderne in Berlin.

(Foto: © Herzog & de Meuron)

Anstatt sich mit zeitgemäßen Fragestellungen auseinanderzusetzen, verstört das geplante Museum der Moderne mit unangenehmer Breitschultrigkeit - und hohen Kosten.

Der Bundestag trifft heute eine der weitreichendsten Entscheidungen für die Berliner Kulturlandschaft seit Jahren. Er kann die 364 Millionen Euro, die im Haushaltsentwurf für das neue Museum der Moderne am Berliner Kulturforum vorgesehen sind, freigeben - oder eben nicht. Läge dem Parlament wirklich an der Kultur, würde es den Posten streichen und eine neue Debatte über das Projekt verlangen.

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Nicht das Museum an sich ist das Problem. Berlin braucht es, um seine Moderne-Bestände großzügiger zeigen zu können, aber auch für die drei bedeutenden Privatsammlungen, die den Berliner Museen demnächst vermacht werden. Das Problem ist die maßlose Größe, die konzeptuelle Armut und das stadträumliche Bullytum des aktuellen Entwurfs. "Scheune" nennt man das Museum gerne, weil der Entwurf der Architekten Herzog & de Meuron auf den ersten Blick so schlicht aussieht. Doch das täuscht: Gebaut wird ein unzeitgemäß prunkvoller und unangenehm breitschultriger Kunsttempel, der weder heutigen Anforderungen an Nachhaltigkeit genügt, noch die Stadt um konzeptuelle Impulse bereichert. Was ist ein Museum? Was ist Kunst? Für was stand die Moderne? Und müssen wir im 21. Jahrhundert nicht neu über all das nachdenken? Das sind Fragen, die diesen Bau nicht beschäftigen. Fatal sind auch die städtebaulichen Folgen. Statt das Museum als letzte Chance zu begreifen, die ewige Sorgenbrache Kulturforum zu beleben, riegelt man es mit dem Museum nun endgültig von der Stadt ab.

Dafür, dass aus dem Museum, dessen Idee ursprünglich mit viel Beifall begrüßt wurde, nun ein kulturpolitisches Ärgernis wurde, ist vor allem Kulturstaatsministerin Monika Grütters verantwortlich. Sie hat das Projekt, koste es was es wolle, durch die Instanzen gedrückt. Hat es immer größer werden lassen und hat einen städtebaulichen Wettbewerb, den Experten unisono gefordert hatten, strikt abgelehnt.

Dass das Museum nun dreimal so viel kosten wird wie vorgesehen, ist nicht durch die üblichen Preissteigerungen und nicht einmal durch die enorme Vergrößerung allein zu erklären. Woran lag es also? In einem Papier führt das Kulturstaatsministerium eine ganze Reihe von Faktoren an, von denen keiner wirklich überzeugt. Dass der Denkmalschutz berücksichtigt werden musste, dass Museen aufwendige Klimatechnik benötigen, und dass Bauen in Berlin teuer ist, war auch vor sieben Jahren nicht anders.

Keinerlei zündende Idee

Bleibt als Erklärung also nur, dass es sich entweder bei den 200 Millionen nicht um eine seriöse Schätzung gehandelt hat oder dass bei der Planung keine angemessene Kostenkontrolle stattfand. Beides weckt erhebliche Zweifel daran, dass es, hat der Bau einmal begonnen, bei den 364 Millionen bleiben wird. Auch die 450 Millionen, unter denen das Museum, so die Architekten, nicht zu bauen sei, werden nicht ausreichen. Tatsächlich erwarten Experten und Kulturpolitiker Baukosten von bis zu 600 Millionen.

Selbst dieser Preis wäre vielleicht vertretbar, wäre hier irgendeine zündende Idee zu erkennen. Und wüsste man, dass in diesem Museum große Dinge passieren werden. Doch das ist nicht zu erwarten. Schon jetzt wird ein Großteil der Ausstellungen der Nationalgalerie vom privaten Förderverein finanziert, weil der Etat dafür nicht annähernd ausreicht. Am Ende wird also irgendwann ein weiteres unfassbar teures Haus eröffnet, in dem es, wie bei den meisten anderen Berliner Museen, an allem fehlt, vor allem am Geld.

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