Berliner Museen:Findet das versteckte Juwel

Das Museum Berggruen macht sich unabhängiger von der Nationalgalerie, die Initiative - und das Geld - dazu kommen von der Familie des Mäzens.

Von Peter Richter

Nach der Berufung von Klaus Biesenbach zum künftigen Leiter der Neuen Nationalgalerie gibt es dieser Tage noch mehr überraschende Neuigkeiten aus dem Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin. Diesmal geht es um die Nationalgalerie, welche ihrerseits aus verschiedenen Häusern besteht - darunter dem Museum Berggruen. Dieses Museum verdankt sich einer Stiftung des Kunstsammlers Heinz Berggruen, der vor den Nazis aus Berlin fliehen musste, dann aber eben eine beträchtliche Kollektion rund um Picasso in seine Geburtsstadt zurückbrachte. Die wird seit 1996 institutionell unter dem Dach der Nationalgalerie gezeigt und räumlich unter dem des westlichen Stülerbaus gegenüber vom Charlottenburger Schloss. Bei letzterem bleibt es auch weiterhin, aber gegenüber ersterer sucht das Museum jetzt deutlich mehr Eigenständigkeit. Die Familie Berggruen finanziert das Haus ab sofort jährlich selbst mit einer Million Euro, hat den bisher dort tätigen Kurator Gabriel Montua als Direktor eingesetzt und will in den kommenden Jahren eine umfassende Renovierung der Räumlichkeiten durchführen. Nach deren Abschluss im Jahr 2025 soll das Haus mehr Anziehungskraft als bisher entwickeln. Denn wenn es allgemein und nicht zuletzt von der noch amtierenden Kulturministerin Grütters gern als "Juwel" bezeichnet wurde, dann klang das schon immer auch ein wenig so, als ob dieses Juwel ein eher verstecktes sei. Dabei waren ambitionierte Sonderschauen wie die über Picassos "Femmes d'Algier" und verblüffende Konfrontationen von Picasso mit zeitgenössischen Malern wie Thomas Scheibitz durchaus auch in letzter Zeit Höhepunkte im Berliner Ausstellungskalender. Dass die Museen beim Charlottenburger Schloss touristisch ein bisschen in den Schatten von Museumsinsel und Kulturforum geraten sind, ist natürlich auch eine Langzeitfolge des Mauerfalls.

Dass das nicht so bleiben muss, dafür sollen nun die Zuwendungen und die Kontrolle der Familie des Mäzens sorgen. Aber auch die Nationalgalerie könnte dabei noch eine gewisse Rolle spielen. Denn erstens ist sie weiter assoziiert, zweitens unterhält sie direkt nebenan noch die Surrealisten-Sammlung Scharf-Gerstenberg, und drittens dürften bei den anstehenden Neuausrichtungen auf dem Kulturforum die Häuser oben in Charlottenburg nicht zuletzt als Rangierbahnhof für viele beim Publikum besonders beliebte Werke der klassischen Moderne eine Rolle spielen.

© SZ/alex
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