MuseenrundgangVom Geben und Nehmen

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Die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst widmet sich in zwei Ausstellungen dem Thema der "Gabe". In der Katholischen Akademie erkennt man "Im Stillen" Licht und Schatten

Von Evelyn Vogel

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Es heißt zwar "Geben ist seliger denn Nehmen". Aber fast jedes Geben bringt auch ein Nehmen mit sich. Wenngleich auf eine oft eher moralische Art. Dazu muss man nicht einmal die vielen Menschen fragen, die vor Monaten am Münchner Hauptbahnhof die ankommenden Flüchtlinge mit Geschenken begrüßten. Es ist ein Tauschgeschäft auf verschiedenen Ebenen: Der eine leistet einen monetären Einsatz durch Geld- oder Sachspende, der andere einen ideellen, indem er seine Zeit und seine Kraft "opfert". Wie auch immer aber sich diese Opfergabe gestaltet, man erhält dafür: Dankbarkeit im weitesten Sinne, das gute Gefühl, jemandem geholfen zu haben.

Dem Thema "Gabe" hat die Deutsche Gesellschaft für Christliche Kunst (DG) zwei Ausstellungen gewidmet, von denen Teil I in der DG-Galerie selbst zu sehen ist, Teil II in der Paulskirche bei der Theresienwiese. Einen Raum hat die DG der großartigen Arbeit "Ikonostase V - Das gnadenlose Land" gewidmet. Hinter Ikonostase steht das Künstlerkollektiv von Florian Dietrich, Martin Schepers und Markus Zimmermann, die genau jenen Tausch thematisieren. An einer Wand sind alle möglichen Gebrauchsgüter unterschiedlichen materiellen Wertes aufgereiht. Bei der Eröffnung konnten die Besucher aus Tonklumpen kleine Objekte formen. Im Gegenzug erhielten sie einen Gegenstand aus der Wand - allerdings durften sie ihn sich nicht aussuchen, sondern er wurde ihnen von den Künstlern zugeteilt. Wer gibt, kann eben nie voraussehen, was genau er dafür erhält.

Aber auch viele der anderen Arbeiten drehen sich um das Geben und Nehmen, um Teilen und Mitteilen, um Liebe und Verlust. So zeigt beispielsweise Barbara K. Prokop in ihrer Bodeninstallation "One espresso poured between fifty cups", dass das Teilen, auch wenn es endlich ist, immer Spuren hinterlässt. Um die Geste des Gebens geht es bei Thomas Locher, um Verbundenheit bei Zenita Komad. Nanni Schiffl-Deiler hinterfragt das Thema aus der Perspektive der Liebe und des Verlusts. In ihrer Multimedia-Installation "Counting the Dead" lässt sie die Todesfälle aufzählen, die sich an und innerhalb von europäischen Grenzen von Juli bis Oktober 2015 aufgrund von Flucht ereignet haben. Dazu sieht man einen Video-Loop, der das Werden und Vergehen der Blüte einer "Agapanthus africanus" aus dem gleichen Zeitraum aufzeichnet. Deren Name leitet sich von dem griechischen Wort für Liebe ab.

Sehr spannend auch, was im zweiten Teil in der Paulskirche zu sehen ist: unter anderem Gebilde aus Papier von Frank Bölter, die wie riesige Brote anmuten - oder wie gekenterte Flüchtlingsboote. Thematisch ist man dann ganz schnell bei der Videoarbeit "Die Umrundung der Insel Lampedusa" von Sven Johne, die im Kirchenschiff wie eine doppelte Metapher wirkt: Schiff in den Tod, Insel der Rettung.

Die Gabe (Teil I): Galerie der Gesellschaft für Christliche Kunst, Türkenstr. 16, bis 20. Februar, Di-Fr 12-19 Uhr. Die Gabe (Teil II): St. Paul, St.-Pauls-Platz 11, bis 9. Februar, täglich 8.30-17 Uhr, Di bis 20.30 Uhr, Do/Sa bis 19.30 Uhr, Sonntag bis 21.15 Uhr

Noch zu einer Ausstellung der Fotografin Nicole Ahland in der Katholischen Akademie. Sie war vor einiger Zeit ebenfalls in der DG zu Gast gewesen. In ihrer Arbeit geht es immer um Raum - oder auch um "Nichtraum", wie der Titel einer Publikation heißt. In der aktuellen Ausstellung nun zeigt sie sehr reduzierte Fotografien, die ganz aus dem Schwarz-Weiß und der vom Licht gezeichneten Struktur leben. Schon von Ferne erahnt man das Raumkonstrukt, doch erst von Nahem betritt man visuell den Raum, folgt den Lichtspuren. Das kann ins Dunkel führen oder in gleißendes Hell. Man könnte es auch als ein abstraktes Geben und Nehmen interpretieren.

Im Stillen, Fotografie von Nicole Ahland , Katholische Akademie in Bayern, Mandlstr. 23, bis 23. März, Mo-Fr 9-17 Uhr

© SZ vom 27.01.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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