München:Noch mehr Kündigungen an den Münchner Kammerspielen

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Sie verlassen das Ensemble: Katja Bürkle (links) und Anna Drexler. (Foto: Kammerspiele)

Es kriselt: Nach Brigitte Hobmeier verlassen zwei weitere Schauspielerinnen das Ensemble. Aber es gibt auch gute Nachrichten, findet Intendant Matthias Lilienthal.

Von Christine Dössel

An den Münchner Kammerspielen, die Matthias Lilienthal leitet, kriselt es. Zuerst musste das große Doppelprojekt "Unterwerfung/Plattform" nach Romanen von Michel Houellebecq abgesagt werden, das nächste Woche Premiere haben sollte. Dann wurde bekannt, dass die Schauspielerin Brigitte Hobmeier gekündigt hat, was heftige Bestürzung nicht nur in der Münchner Theaterszene ausgelöst hat. Nun wird von den Kammerspielen bestätigt, dass zwei weitere Schauspielerinnen Ende der Spielzeit das Haus verlassen werden: Katja Bürkle und Anna Drexler, beide insofern der "alten Garde" angehörend, als sie bereits unter der vorigen Intendanz von Johan Simons im Ensemble waren.

Drexler, Jahrgang 1990, wurde 2013 vom Fleck weg engagiert, als sie - in ihrem dritten Jahr an der Otto-Falckenberg-Schule - kurzfristig als Sonja in Tschechows "Onkel Wanja" einsprang und das Publikum mit ihrer trotzigen Frische auf Anhieb begeisterte. Bürkle, Jahrgang 1978, kam bereits 2008/09 ans Haus, noch in der letzten Spielzeit von Frank Baumbauer, wo sie gleich Jossi Wielers gefeierte Jelinek-Inszenierung "Rechnitz" mit ihrer extra-trockenen Nonchalance bereicherte.

Zuletzt kaum mehr beschäftigt

Dass außer Hobmeier noch zwei weitere Könnerinnen der "alten" Kammerspiele das Haus verlassen, lässt auf einige Unzufriedenheit in Teilen des Ensembles schließen. Unter Lilienthal haben sich die Kammerspiele vom traditionellen Sprechtheater verabschiedet. Wie Hobmeier sind auch Drexler und Bürkle zuletzt kaum mehr beschäftigt worden. In mediokren Performances wie "50 Grades of Shame" von She She Pop oder "War and Peace" von Gob Squad war ihr Part eher der von dienstbaren Hilfsarbeiterinnen. Anna Drexler sagt auf Nachfrage der SZ: "Ich habe das Gefühl, da gerade nicht weiterzukommen, und mir ist die Aussicht, dass sich das ändert, verloren gegangen." Bürkle war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, dafür aber Lilienthal, der sagt: "Katja Bürkle fühlt sich nicht wohl in unserer künstlerischen Arbeit. Was mir sehr leid tut."

Lilienthal vermutet, dass beide Kündigungen mit der geplatzten Houellebecq-Inszenierung zu tun haben, in der sowohl Bürkle als auch Drexler besetzt waren. Dass dieses Renommierprojekt abgesagt werden musste, ist für die Kammerspiele ein erhebliches Problem, angefangen bei den Lücken im Spielplan bis hin zur Abgeltung der Aufführungsrechte. Der französische Jungregiestar Julien Gosselin ist nach drei Wochen Proben (in denen er, so Lilienthal, hohe "Betreuungsforderungen" und dann eine "Riesenblockade" hatte) einfach abgetaucht. Hätte man die Inszenierung nicht verschieben können? Lilienthal: "Ich ertrage alles in der Welt, aber nicht den Totalabbruch von Kommunikation."

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Die Kammerspiele also in der Krise? "Einerseits ja, andererseits nein", befindet Lilienthal und verweist auf die guten Nachrichten, die es ja auch gebe: Mit "Der Fall Meursault" nach dem Buch von Kamel Daoud, mit "Point Of No Return" von Yael Ronen und mit der Performance "The Re'search" sei man erfolgreich in die neue - Lilienthals zweite - Saison gestartet. "Da wurde ein guter Weg eingeschlagen."

Dass drei von 20 Ensemblemitgliedern gehen, hält der Intendant für einen "relativ normalen Vorgang", wenn ein Theater sich neu ausrichtet. Neu hinzugekommen sei Maja Beckmann aus Stuttgart; nächste Saison komme Zeynep Bozbay, die bereits in Jelineks "Wut" mitspielt. Im Übrigen hat auch Niels Bormann gekündigt, der mit Lilienthal kam und als extrovertierter Performer am Haus viel beschäftigt ist. Bormann habe sich dazu aber schon letzten November entschieden, so Lilienthal, "aus rein privaten Gründen". Er werde als fester Gast am Haus bleiben. The performance must go on.

© SZ vom 09.11.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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