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Kunstinstallation:Ein Stück Brücke über die Isar - ins Nichts

Brücke am Stuss? Die Computerentwürfe des Ateliers Bow Wow machen eine Interpretation nicht leicht.

(Foto: Atelier Bow Wow)

An diesem Donnerstag entscheidet der Kulturausschuss über die temporäre Kunstinstallation "Bridge Sprout" an der Isar. Ein teures Projekt, das ein wenig ratlos macht.

Man sieht sie kaum, diese neue Brücke. Es ist ja auch keine richtige Brücke, es sind eher Spuren einer Brücke, die andeuten sollen, dass hier eine Brücke sein könnte, wenn man sich denn entschlossen hätte, diese Brücke fertigzubauen. Eine Art Luftbrücke nämlich soll über die Isar hin zur Schwindinsel deuten, die nördlich der Praterinsel und der Maximiliansbrücke ein eher unbedeutendes Inseldasein fristet.

Das japanische Architektur- und Kunstbüro Atelier Bow Wow kann schön begründen, warum gerade hier eine Brückenattrappe sinnvoll sei: Die Insel war seit dem Mittelalter ein wichtiger Stützpunkt des mit Flößen betriebenen Handels mit Holz, Kohle, Salz; nun will man die Bürger wieder auf den Ort aufmerksam machen. Es ist jedenfalls vieles im Flusse: An diesem Donnerstag wird der Kulturausschuss das Projekt "Bridge Sprout", hervorgegangen aus einem neuen Format für Kunst im öffentlichen Raum namens "Carte Blanche", sehr wahrscheinlich absegnen. Frühestens im nächsten Sommer sollen für 250 000 Euro zwei temporäre Brückenköpfe aus heimischen Hölzern entstehen.

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Auch wenn Kunst natürlich eine wichtige Funktion im öffentlichen Raum zukommt: Man beugt sich doch etwas ratlos über den Computerentwurf. Sollen die durch Isar und Berge nicht wirklich naturentwöhnten Münchner hier an die Natur erinnert werden? Schließlich ist das Projekt laut Sitzungsvorlage auch als "Verbeugung vor der Natur" gedacht. Sollen die Münchner hier endlich eine ganz neue Perspektive auf die Isar gewinnen, die in der Stadtmitte ja, hüstel, von nicht eben wenigen Brücken überspannt wird? Oder wird man hier nur noch leichter Selfies nah am Wasser machen können?

Natürlich möchte man - heikel, heikel - nicht Kunstprojekte gegen Radwege ausspielen. In dieser von Verkehrsproblemen geplagten Stadt eine geisterhafte sogenannte So-da-Brücke ins Nichts zu bauen, wäre also nur von einer gewissen Komik, wäre das Ganze nicht recht teuer. Hoffentlich wird diese Luftbrücke keine Luftnummer.