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Gasteig:Wie beim Interimsquartier gespart werden muss

Gasteig-Interim-Gelände am Flaucher, Hans-Preißinger-Straße 8

Die Halle E wird renoviert und soll als Eingang zur Philharmonie fungieren.

(Foto: Florian Peljak)

Die Angebote auf die Ausschreibung zur Behelfs-Philharmonie sprengen alle Preisvorstellungen. Ganz gestrichen wird wohl der Ersatz für die Black Box.

Von Michael Zirnstein

Die Verantwortlichen für die Sanierung des Gasteig haben es momentan leicht, dem Laien das Hauptproblem des größten Münchner Kulturprojektes zu erklären. Sie verweisen auf allzu bekannte private Sorgen, das Dach ihres Carports, das gleich ein paar Tausender gekostet habe, oder dass keine Handwerker fürs Laminatverlegen zu bekommen sind. Die Baubranche diktiert gerade Preise und Bedingungen. Das trifft auch den Gasteig und sein Ausweich-Quartier in Sendling heftig. Im Dezember schrillten im Aufsichtsrat die Alarmglocken: Die ohnehin spärlich vorliegenden Angebote auf die Ausschreibung zur Behelfs-Philharmonie sprengten alle Preisvorstellungen.

Eine neue abgespeckte Ausschreibung hätte Verzögerungen und womöglich Schadenersatzforderungen nach sich gezogen. So bewilligte der Stadtrat 22 Millionen Euro zusätzlich für den Ersatz-Saal und einen Puffer für erwartbare Kostensteigerungen auch bei den anderen Bauarbeiten. Mit einer Auflage: Gasteig-Chef Max Wagner, Wirtschafts- und Kulturreferat sollten Vorschläge erarbeiten, wo man den Aufpreis an anderer Stelle im 90,4 Millionen Euro teuren Interims-Etat einsparen könne. Das war von Anfang an Zweckoptimismus - als ob Wagner im Stadtwerke-Areal an der Hans-Preißinger-Straße (HP8) und den anderen Ausweich-Orten mit goldenen Wasserhähnen geplant hätte.

Gleichwohl hat der Gasteig nun geliefert, wie sich der eine oder andere Euro sparen ließe und dies den Stadträten bereits in einer informativen, verschwiegenen Runde mitgeteilt. In einer gemeinsamen nichtöffentlichen Sitzung der Ausschüsse für Kultur und Wirtschaft soll am kommenden Dienstag beschlossen werden, wo der Rotstift angesetzt wird und wie weit das Interims-Budget doch aufzustocken ist. Radikale Lösungen - etwa die bisherigen Mieter, die sich den Verbleib im HP8 erkämpft haben, doch loszuwerden und den Gebäude-Altbestand zu nutzen - zieht momentan niemand in Betracht.

Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner und Kulturreferent Anton Biebl werden nach SZ-Informationen vorschlagen, eines der drei geplanten Baumodule zu streichen. Ersparnis: 1,8 Millionen Euro. Die größeren Module 1 und 2 für die Volkshochschule und die Musikhochschule will man nicht antasten, wohl aber jenen eingeschossigen Pavillon nahe der Brudermühlbrücke, der den Multifunktionsraum Black Box ersetzen sollte. Das ist insofern heikel, da schon der größere Carl-Orff-Saal während der Sanierung wegfällt.

Den Grünen passt das gar nicht in den Plan. Auf Modul 3 zu verzichten, sei eine "Symbol-Einsparung", zumal der einzige dann nicht von städtischen Institutionen genutzte Raum auch Mieteinnahmen durch Fremdveranstalter einspielen würde, findet der Fraktionsvorsitzende Florian Roth. Es gehe ums Grundsätzliche: "Bauen wir in Sendling für vier Jahre oder für länger?" Die Grünen wollen das HP8 nach Fertigstellung des Stamm-Gasteig als Kultur- und Kreativ-Quartier erhalten, die "Provisorien haben ja keine Pappwände". Gerade so ein freistehendes, offenes Gebäude könne als Begegnungsstätte für das Viertel und darüber hinaus dienen.

Eine Frage aber ist, wie gut der Kultur-Kasten den Verkehrslärm des Mittleren Rings abschirmen wird. Die jetzige Black Box wird großteils - vor allem vom städtischen Kulturreferat - für akustisch sensible Konzerte und Tanzstücke gebucht. Einige dieser Veranstaltungen könnte man auch in den Ersatzräumen für den Kleinen Konzertsaal oder den Carl-Amery-Saal im HP8 sowie in der Nachbarschaft im gerade entstehenden Kulturhaus "Luise" unterbringen. "Es werden wegen des Verzichts auf Modul 3 keine Veranstaltungen verloren gehen", sagt Klaus Peter Rupp, kulturpolitischer Sprecher der SPD. "Es ist ein Interim. Dafür sollten wir so wenig Geld zusätzlich wie nötig ausgeben." Auch der Koalitionspartner will den Vorschlägen der Referenten folgen. "Schweren Herzens", sagt Richard Quaas, Kultursprecher der CSU, und verspricht, die "Einsparungen im erträglichen Rahmen zu halten". Persönlich hat er noch die Idee, eine Black Box ins Philharmonie-Foyer der denkmalgeschützten Trafohalle E hineinzuschachteln.

Die Spar-Debatte gibt einen Vorgeschmack auf den Herbst: Dann prüft der neu gewählte Stadtrat noch einmal alle Bedarfe der Gasteig-Nutzer und entscheidet, was davon in der auf 450 Million Euro veranschlagten Gasteig-Sanierung verwirklich werden kann. Der Kostendruck dürfte sich bis dahin nicht abschwächen.

© SZ vom 08.02.2020/vewo
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