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München:Geigen im Technoclub

Stars & Rising Stars: Tassilo Probst im Harry Klein

Die Idee von Stars & Rising Stars, nicht in den üblichen, sogenannter Klassik vorbehaltenen Sälen aufzutreten, sondern lieber in Räumen, die auch ein nicht spezialisiertes Publikum oft besucht, funktioniert etwa in der Reithalle oder in der Freiheizhalle bestens. Selten sieht man ein so gemischt besetztes Auditorium von Kindern, Eltern, Studenten, Neugierigen bis hin zu Talentscouts und professionellen Veranstaltern. Insofern lässt sich die zweite Ausgabe dieses vor allem den jungen Nachwuchsbegabungen gewidmeten Festivals mit kulanten Ticketpreisen schon jetzt unter dem Prädikat "gelungen" bilanzieren. Dass gestandene Stars hier beherzt und kameradschaftlich junge Musiker vorstellen und mit ihnen auftreten, ist aller Ehren wert. Wenn dann noch der Coup glückt, in das seit der Zerstörung 1944 auch als Ruine sagenumwobene ehemalige Odeon im Innenministerium vorzudringen, kann man die Initiatoren des Festivals nur preisen. Neue Räume zu entdecken gehört also genauso zum Programm wie die Präsentation junger und jüngster Musiker.

Warum also nicht in den Technoclub "Harry Klein" gehen? Doch der zweigeschossige Raum ist klanglich extrem trocken, so dass der vortreffliche Geiger Tassilo Probst, 15, wahrlich kein leichtes Spiel hatte. Aber der junge Violinist moderierte so knapp wie unbeirrt ein Programm von Fritz Kreislers "Caprice viennois" bis zu Franz Waxmans glamouröser "Carmen-Fantasie" und spielte es staunenswert souverän und mit virtuosem Elan. Seine Klavierpartnerinnen Maria Stadnik und Isabella Xu beließen es bei akkuratem Spiel, was besonders bei den zwei Sätzen aus César Francks Sonate zu wenig war. Das meist stehende Publikum feierte den Geiger zu Recht. Doch sollte an einem akustisch so schwierigen Ort das Programm kürzer und auch bei der Stückfolge kleinteiliger angelegt sein. Die Franck-Sonate hatte hier kaum eine Chance. Dennoch: Weiter nur Mut beim Ausprobieren ungewohnter Räume!

© SZ vom 14.05.2018
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