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Filmfest München:Ruhm und Relevanz

Leben im Kriegsgebiet: "For Sama" von Waad al-Kateab.

(Foto: Filmfest München)

Der Kontrast hätte zum Abschluss des Filmfests nicht größer sein können: Während die Gäste in schicken Gewändern zur Abschlussgala kommen, rütteln die Kriegsbilder aus "For Sama" auf. Ein Überblick über die wichtigsten Preise und Zahlen.

Die Gäste haben sich herausgeputzt, der Moderator gibt den singenden Entertainer, und dann fallen die Bomben. Die Kriegsbilder, keine Fiktion, sondern echt, rütteln auf. Der Kontrast zur schicken Filmfest-Abschlussgala im Carl-Orff-Saal hätte stärker nicht sein können. Und doch - oder gerade deshalb - waren Freude und Anerkennung so groß über den Gewinner des Publikumspreises, den die Süddeutsche Zeitung und Bayern 2 gemeinsam vergeben, dem Online-Voting der Besucher folgend.

Mit "For Sama" hat kaum einer gerechnet. Der mutige und berührende Dokumentarfilm der syrischen Regisseurin Waad al-Kateab handelt vom Leben im Kriegsgebiet Aleppo zwischen 2012 und 2016. Die Filmemacherin erzählt, unterstützt von ihrem britischen Kollegen Edward Watts, ihre eigene Geschichte. Die Geschichte einer jungen Frau, die sich unter schwierigsten Bedingungen verliebt, heiratet und in dieser menschlichen Hölle ein Kind zur Welt bringt. "Sama, ich habe diesen Film für dich gemacht", sagt sie darin, "ich will, dass du verstehst." Die Bilder ihrer Langzeit-Liebeserklärung an ihre Tochter sind ergreifend und erschütternd. Beim Festival in Cannes gab's dafür den Preis als bester Dokumentarfilm, in München die Liebe des Publikums. Ein Kinostart in Deutschland ist für Frühjahr 2020 geplant, erzählte Claudia Oettrich vom Verleih Filmperlen, die den Preis stellvertretend entgegennahm; in einer Videobotschaft bedankte sich auch Waad al-Kateab.

Auch bei den anderen großen Preisen dieses 37. Filmfests dominierten gesellschaftsrelevante Werke aus Problemländern. Als bester internationaler Film wurde der brasilianische, dystopische Thriller "Bacurau" von Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles mit dem Arri/Osram-Award ausgezeichnet, verbunden mit 50 000 Euro. Die brasilianisch-deutsche Koproduktion "A vida invisível de Eurídice Gusmão" bekam den neu geschaffenen und mit 100 000 Euro sehr hoch dotierten Cinecopro-Award.

Der ebenfalls von einer Jury überreichte Cinevision-Award für den besten internationalen Nachwuchsfilm ging an "Canción sin nombre" von Melina León, ein Schwarz-Weiß-Drama über Menschenhändler im Peru der Achtziger. Bei den deutschen Beiträgen stachen zwei Filme heraus, die jeweils zwei Preise bekamen. Jan-Ole Gersters Mutter-Drama "Lara" mit Corinna Harfouch wurde mit dem Regie-Förderpreis Neues Deutsches Kino sowie dem Fipresci-Preis der internationalen Filmkritik geehrt. Ilker Çataks Scheinehe-Drama "Es gilt das gesprochene Wort" konnte den Förderpreis im Bereich Drehbuch (Çatak und Nils Mohl) und Schauspiel (Oğulcan Arman Uslu) ergattern. Der Kinderfest-Publikumspreis, präsentiert von SZ Familie, ging an den Animationsfilm "Lotte und die verschwundenen Drachen".

Insgesamt kamen in den zehn Hitzetagen etwa 70 000 Besucher in die Filmfest-Kinos (Vorjahr: 80 000). Die mehr als 3000 Gratis-Tickets für Virtual-Reality-Erfahrungen in den neu geschaffenen "Virtual Worlds" waren laut Veranstalter restlos ausgebucht.

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