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Mosley-Anwältin Irion:"Größter Presserechtsfall der letzten Jahre"

Max Mosley und die Einigung mit Bild in Sachen Sex-Party: Seine Anwältin Tanja Irion über ein großes Interview, Spenden und einen Prozess.

Details zu einer Sado-Maso-Party in London: Der Formel-1-Chef Max Mosley äußerte sich in Bild zu Nazi-Vorwürfen - Teil einer Abmachung mit dem Axel-Springer-Verlag. Damit wurden juristische Auseinandersetzungen ad acta gelegt. Für Mosley agierte die Hamburger Anwältig Tanja Irion. Die Juristin, Jahrgang 1967, war einst Vorsitzende des Forums Junge Anwaltschaft und lehrt Medienrecht an den Handwerkskammern Hamburg und Berlin.

Max Mosley sei mit dem

Bild

-Interview insgesamt sehr zufrieden, sagte seine Anwältin Tanja Irion im Interview.

(Foto: Foto: ap)

sueddeutsche.de: Mit einem Interview in Bild endete am Samstag der Rechtsstreit, den der Formel-1-Chef Max Mosley gegen Bild und den Axel-Springer-Verlag angestrengt hat. War die gedruckte Zeitungsseite die Anstrengung wert?

Tanja Irion: Auf jeden Fall. Das war eines der größten Interviews, die Bild jemals abgedruckt hat, mit einer großen Ankündigung auf der Titelseite. Mosley ist mit dem Ergebnis insgesamt sehr zufrieden.

sueddeutsche.de: Was fand Mosley befriedigend?

Irion: Es war vereinbart, dass die Bild-Redaktion frei Fragen stellen darf - und dass Mosley darauf ebenso frei und deutlich antwortet. So kommt es, dass sich in diesem Interview offene Medienschelte an der Presse findet, die mit Berichten aus der Privatsphäre ihre Auflage steigert. Das ist in allen Punkten ein besonderer Fall, auch was das Interview angeht. Es handelt sich schließlich um den größten Presserechtsfall der letzten Jahre.

sueddeutsche.de: Es ging um die Berichterstattung zu einer Sex-Party, die Mosley im Frühjahr 2008 mit fünf Damen feierte. Um den Vorwurf zu entkräften, Nazi-Symbole hätten dabei eine Rolle gespielt, muss Mosley genau erklären, was bei diesem Sado-Maso-Fest in London passiert ist.

Irion: Mosley war ja schon im Prozess in London nach der englischen Rechtssprechung gezwungen gewesen, detailreich zu antworten. In dem damaligen Verfahren rund um die Berichterstattung von News of the World sind bereits viele Dinge öffentlich zur Sprache gekommen. Und weil viele Details schon einmal draußen waren, gab es auch gute Chancen, presserechtlich offensiv zu werden.

sueddeutsche.de: Der gemeine Bild-Leser dürfte sich jedenfalls über diese Einblicke in das Intimleben eines bekannten Briten gewundert haben.

Irion: Recht schnell waren ja beispielsweise auch Ausschnitte aus dem Party-Video auf "YouTube" zu sehen. Mosley musste in Kauf nehmen, deutlich werden zu müssen. Ich habe viel Respekt vor ihm. Mosley ist es immer - unabhängig von dem heiklen Inhalt - um die nicht wahrheitsgemäße Berichterstattung über ihn gegangen.

sueddeutsche.de: Es gab 25 Unterlassungsbehren, drei Strafanzeigen und eine Schadenersatzklage über 1,5 Millionen Euro gegen den Axel-Springer-Verlag. Dagegen ist das erreichte Ergebnis - das Interview in Bild sowie Spenden für karitative Organisationen über insgesamt 200.000 Euro - doch im Vergleich eher bescheiden.

Irion: Das stimmt nicht. Das vereinbarte Spendengeld von 200.000 Euro ist die höchste Summe, die am Ende eines solchen Rechtsstreits bisher erzielt wurde. Womöglich hätte ein Prozess vor dem Bundesgerichtshof noch mehr erbracht - aber auf ein solches Urteil hätte man vielleicht sechs Jahre warten müssen.

sueddeutsche.de: Und das wollte Max Mosley nicht?

Irion: Ihm war eine Einigung zum jetzigen Zeitpunkt lieber - bevor er im November als Chef des Automobilverbands Fia aufhört.

sueddeutsche.de: Mosley zieht nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Warum ist ihm ein Urteil in Straßburg wichtig?

Irion: Das machen meine englischen Anwaltskollegen. Max Mosley will, dass die englischen Pressegesetze geändert werden und künftig einen größeren Schutz des Persönlichkeitsrechts garantiere, vor allem, dass vor einer solchen Veröffentlichung beim Betroffenen nachgefragt werden muss. In zwei Jahren ist in Straßburg mit einer Entscheidung zu rechnen - und der Richterspruch könnte, wie schon vor einigen Jahren das "Caroline-Urteil", auch für Deutschland neue Maßstäbe setzen.

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