Die Zwanziger- und Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts sind in vielfacher Hinsicht unsere Adoptivjahrzehnte geworden. Treu recherchierte Romane über diese Zeit (wie die „Babylon Berlin“-Vorlagen), Fernsehserien, die auf diesen Büchern beruhen, und neuerdings: eine Reihe von Roman-Funden in Archiven und Nachlässen, denen große Aufmerksamkeit und literaturkritisches Interesse gezollt wird. Dazu die immer wieder aufblühenden Renaissancen der populären Autoren Irmgard Keun, Erich Kästner und Gabriele Tergit, auch sie war eine Wiederentdeckung des vergangenen Jahrzehnts. Wir fühlen uns dieser Zeit kulturell und politisch verwandt, schätzen ihren angeblichen Glamour und suchen im Abwelken der liberalen Ordnung jener Jahre Entsprechungen zu unserer Gegenwart.
WiederentdeckungDie Zeugin, die keiner hörte
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Lange kannte die Literaturgeschichte sie nur als Geliebte von Gottfried Benn, jetzt ist Mopsa Sternheims eigener, einziger Roman „Das Jahr der Spinne“ endlich zu lesen: ein Buch von historischem Gewicht.
Von Hilmar Klute
