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"Monuments Men" im Kino:Das geht nicht gut

Clooney hat als Regisseur insgesamt fünf Filme gemacht, und dass zwei davon großartig sind, liegt daran, dass er sich auf einem Terrain bewegt, von dem er richtig viel versteht: "Good Night, and Good Luck" feiert den Widerstand eines Journalisten in der McCarthy-Ära, "The Ides of March" seziert die Ränkespiele im Hintergrund politischer Kampagnen. Diesmal wagt er sich aus seinem angestammten Gebiet hinaus - und das geht nicht gut.

Das Problem sind dabei nicht die dramaturgischen Freiheiten, die sich Clooney nimmt. Kann schon sein, dass er sich von den tatsächlichen Monuments Men so weit entfernt hat, dass er die Figuren umtaufen musste - man würde aber von Picasso auch keinen Fotorealismus erwarten. Clooney will die Ereignisse als Heldenepos interpretieren, als Kampf für die gerechte Sache; das Ergebnis ist nur leider ein wenig spannungsarm. Es entsteht kein Schaden, aber auch nicht viel Mehrwert. "Monuments Men" hat das Herz am rechten Fleck, aber nicht alle Sinne beisammen.

Dekorativ, aber unoriginell

Clooney erzählt "Monuments Men" nicht mit der Leidenschaft, die man von ihm gewohnt ist. Er weiß - davon lebten "Good Night" und "Ides" - sehr genau, warum die Demokratie jede Mühe wert ist; aber zu den Werken, die in diesem Film unter Einsatz von Leib und Leben gerettet werden, entwickelt der Film kein Verhältnis. Sie bleiben tote Dinge in Kisten. Ist die Kunst es wert, für sie zu sterben? Stokes ist sich sicher: Ja. Weil Kunst unsere Geschichte abbildet. Das ist nicht falsch, aber auch irgendwie ein Allgemeinplatz. Mehr Antworten gibt es nicht, nicht in den Dialogen und nicht in den Bildern. Alles bleibt sehr dekorativ, aber unoriginell - die geraubte Madonna von Michelangelo, die die Monuments Men durch den Film jagen, ist bloß ein schönes Stück Stein. Andächtig wird sie angestarrt, mit Suppentassenaugen.

Berlinale Clooney hat zu viel gewollt
"Monuments Men" auf der Berlinale

Clooney hat zu viel gewollt

Eigentlich erzählt sich die Geschichte der Kunstschützer aus dem Zweiten Weltkrieg von selbst. Doch US-Kritiker nennen "Monuments Men" einen "bizarren Fehlschlag". Nun stellt sich auf der Berlinale die Frage: Was wollte George Clooney mit dem Film erreichen - und was ist auf dem Weg dorthin schiefgegangen?   Von Tobias Kniebe, Berlin

So kommt es dann, dass Clooney mit sehr angestaubten Kunstgriffen versucht, Emotionen künstlich zu erzeugen, die sich partout nicht von allein ergeben wollen. Rührung, wenn Jean Dujardin und John Goodman einen winzigen Nachwuchs-Wehrmachts-Scharfschützen an den Ohren abführen; Ehrgefühl, wenn die ganze Truppe in einem suizidalen Anfall beschließt, Matt Damon Gesellschaft zu leisten, während er von einer Landmine heruntersteigt; Erotik, wenn Cate Blanchett versucht, Damon flachzulegen, mit einer Verführungstechnik, die bestenfalls als Kabarettnummer taugt.

Unaufgeregte, coole Großzügigkeit

Da ist dann Clooneys Schlagabtausch mit Londons Bürgermeister Boris Johnson fast lustiger. Clooney hatte in einer Pressekonferenz zum Film gesagt, eigentlich müssten die Elgin Marbles aus dem British Museum nach Griechenland zurückgegeben werden - eine kühne, aber nicht komplett abwegige Aussage.

Johnson polterte daraufhin los, Clooney wolle, wie einst Hitler, Britannien plündern - und solle "auf seinen Geisteszustand untersucht" werden. Inzwischen hat Clooney in der Huffington Post ganz ernsthaft darauf hingewiesen, dass der Weg, auf dem die Steinskulpturen nach London kamen, tatsächlich gegen die heutigen Regeln der Unesco verstoße - und süffisant angemerkt, Johnsons Hitler-Vergleich habe vielleicht mit ein paar Gläsern Whisky zu tun: "So was ist mir auch schon passiert, ich nehme ihm das nicht übel." Unter anderem wegen dieser unaufgeregten, coolen Großzügigkeit ist der Mann so populär. Und daran wird dieser Film auch nichts ändern.

Monuments Men, USA 2013 - Regie: George Clooney. Mit: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, Cate Blanchett. Fox, 119 Minuten. In deutschen Kinos ab dem 20. Februar 2014.