"Monsieur Claude und seine Töchter" im Kino Merkwürdig niedlich

"Monsieur Claude und seine Töchter" ist ein merkwürdig niedlicher Titel, der nach einer Cartoon-Figur klingt. Und ganz unpassend ist das nicht, obwohl Christian Clavier, der ja "Asterix"-Erfahrung hat, ihn durchaus facettenreich spielt: Aber dieser Mann ist selbst in einem Wutanfall noch irgendwie - niedlich.

Sucht man nach Gründen für den enormen Erfolg in Frankreich, wird man hier am ehesten fündig. Was sich Claude und seine Schwiegersöhne gegenseitig an den Kopf werfen, bewegt sich zwar nicht immer im Rahmen der Political Correctness. Es entfernt sich aber nie so weit von ihr, dass es wirklich wehtäte. In einem Land, in dem der Front National immer neue Erfolge feiert und französische Juden zu Tausenden nach Israel auswandern, weil sie den französischen Antisemitismus nicht mehr aushalten, tippt der Film den grassierenden Rassismus zwar an, verspricht aber zugleich, ihn handhabbar zu machen, ins Komische zu ziehen und schließlich aufzulösen.

Gesellschaftliche Schmerzen

Am nächsten dran an realen gesellschaftlichen Schmerzen ist sicherlich jener Moment, als Claude und Marie dann den Mann kennenlernen, den ihre vierte Tochter heiraten will. Sie hat ein Detail weggelassen, als sie den Eltern von ihrem Liebsten erzählt hat, die beiden freuen sich - endlich eine katholische Hochzeit! Doch als es dann in einem Restaurant zur ersten Begegnung kommt, kann Claude sein Entsetzen nicht verbergen, und das ist schon ein hässlicher Moment (der Junge ist katholisch, aber er ist auch schwarz). Marie kriegt dann eine Depression und Claude reagiert sich am Baumbestand im Garten ab - aber da wissen die beiden noch nicht, dass auch die afrikanische Familie des Schwiegersohns keinen Wert darauf legt, künftig mit ihnen verwandt zu sein.

Dass das gemeinsame Absingen der Marseillaise zusammenschweißt, ist dann vielleicht keine besonders originelle Idee. Aus jenen Momenten, in denen in der Familie Verneuil dann erst einmal diskutiert werden muss, ob wirklich alle Traditionen über Bord geworfen werden oder ob es nicht auch Dinge gibt, die man erhalten will - daraus hätte vielleicht ein aufregenderer Film werden können.

Aber kein erfolgreicherer: Es ist leichter, mit diesem Thema in einer Komödie zu spielen, als sich realistisch und knallhart damit auseinanderzusetzen; weil es ja auch im richtigen Leben schmerzhaft sein kann, wenn sich Familien neu erfinden müssen. "Monsieur Claude" dagegen versichert, dass alles gut werden wird, irgendwann.

Es sind dann übrigens letztlich die Frauen, die die Familie mit Pragmatismus neu sortieren und wieder zusammenführen, die Herren tun sich schwer, sich der neuen Ordnung zu fügen. Man könnte sagen: "Monsieur Claude" ist zwar nicht rassistisch, aber ein bisschen männerfeindlich ist er schon.

Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu? Frankreich 2014 - Regie: Philippe de Chauveron. Buch: de Chauveron und Guy Laurent. Kamera: Vincent Mathias. Mit: Christian Clavier , Chantal Lauby, Frédéric Chau, Medi Sadoun, Ary Abittan. Neue Visionen, 97 Minuten.