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MoMA:Ende des Kanons

Freunde des alten MoMA erkennen ihr Museum nicht wieder. Die mitunter desorientierende Fremdheit des neuen Hauses stammt auch aus einem gewissen Verrat am Erbe Alfred Barrs, dem ideellen Übervater des Museums.

Dass die Neu-Hängung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York ein weltweit beachteter Erfolg ist, das steht spätestens seit November fest - da wurde Direktor Glenn D. Lowry auf Platz eins der Power-100-Liste des britischen Magazins Art Review gewählt und gilt nun als einflussreichste Persönlichkeit der internationalen Kunstszene. So etwas ist lange nicht passiert, vor allem erfolgreiche Kuratoren und Museumsdirektoren stehen seit der "Me Too"-Bewegung und der Forderung nach Dekolonisierung der Museen eher in der Kritik. Dass das bedeutendste Museum für Moderne und zeitgenössische Kunst weltweit jetzt der Kunst von Frauen, von Schwarzen, von Künstlern, die bislang an der Peripherie der Kunstgeschichte angesiedelt wurden, ihren angemessenen Ort an den Wänden einräumt, war überfällig. Aber auch wenn das Museum in Manhattan damit vielleicht nur dem Beispiel anderer Häuser wie der Londoner Tate Gallery folgt: Für die Kunstgeschichte ist es der Beweis, dass der Kanon sich - endlich - dauerhaft verändert. Dass die auf ewige Werte zielenden Museen den gesellschaftlich nötigen Wandel vorwegnehmen.

© SZ vom 01.12.2019
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