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Modigliani-Schau in Bonn:Fälschungen möglich

Wie die Bundeskunsthalle in Bonn auf Medienberichte zu angeblich gefälschten Modigliani-Bildern reagiert.

Holger Liebs

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag Nachmittag räumte die Bundeskunsthalle Bonn ein, es gebe Anlass zu der Annahme, in der dort derzeit gezeigten Ausstellung von Werken Amedeo Modiglianis würden auch gefälschte Bilder Amedeo Modiglianis gezeigt. Es sei bekannt, dass sich beim Werk von Amedeo Modigliani die Problematik von Fälschungen und Zuschreibungen so intensiv stelle wie bei keinem anderen Künstler der Klassischen Moderne. Deswegen befinde sich in der Ausstellung ein Wandtext mit einem Satz des Künstlers Fernand Léger aus den fünfziger Jahren, der gesagt hatte, das Fälschen von Werken Modiglianis sei eine Selbstverständlichkeit.

Original oder Fälschung? Die "Elvira" des Künstlers Amedeo Modigliani.

(Foto: Foto: Bundeskunsthalle)

Mit dieser Pressekonferenz reagierte die Bundeskunsthalle auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung und sueddeutsche.de, in der am selben Tag der Vorwurf erhoben war, bei mindestens einem der gezeigten Gemälde - dem "Liegenden Akt (Céline Howard)" -, womöglich aber sogar bei mehreren, handele es sich um Fälschungen, die durch die Ausstellung gleichsam in echte Werke Modiglianis verwandelt werden sollten. Einen entsprechenden Verdacht gebe es schon seit Jahren, die Kunsthalle habe jedoch die Prüfung unterlassen.

Juristisch keine Möglichkeit

Die im selben Artikel angerufene Bonner Staatsanwaltschaft erklärte hingegen, sie führe "in diesem Zusammenhang kein Ermittlungsverfahren". Es sei "lediglich geprüft" worden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden könne. Grundlage der Prüfung sei ein Schreiben von Stefan Koldehoff gewesen, Redakteur beim "Deutschlandfunk" und einer der beiden Autoren des Berichts in der Süddeutschen Zeitung, der beim Landeskriminalamt Stuttgart angefragt habe, ob im Rahmen dieser Ausstellung strafrechtlich relevante Delikte vorliegen könnten und darauf verwies, dass einige der gezeigten Werke schon seit Jahren als zweifelhaft gelten. Dieses Schreiben sei dann vom LKA Stuttgart an die Bonner Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Stefan Koldehoff war auf das Fälschungsproblem gestoßen, nachdem er einen Beitrag für das Katalogbuch zur Ausstellung geschrieben hatte.

Die Frage, ob es sich beim "Liegenden Akt" um eine Fälschung handele oder nicht, könne von der Staatsanwaltschaft nicht geklärt werden, sagte Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel: "Der kundige Museumsbesucher geht vermutlich davon aus, dass häufiger in Ausstellungen Fälschungen hängen." Es sei aber geprüft worden, ob man ein Ermittlungsverfahren gegen einen angeblichen Schweizer einleiten könne, der unter Verweis auf die Bonner Ausstellung den "Liegenden Akt" für 4,2 Millionen Euro per Kleinanzeige in großen deutschen Zeitungen zum Verkauf angeboten habe. Dazu gebe es aber juristisch keine Möglichkeit.

Unsicherheit der Zuschreibung

In der Pressekonferenz verwies die Bundeskunsthalle zudem darauf, den Kontakt zum französischen Kunsthistoriker Christian Parisot, dem Nachlassverwalter Modiglianis, auf ein Minimum beschränkt und schon im Dezember vergangenen Jahres, also vor Beginn der Ausstellung, beendet zu haben. Parisot war im Artikel mehrfach mit Fälschungsvermutungen in Verbindung gebracht worden.

Darauf angesprochen, warum bei den als zweifelhaft geltenden Bildern nicht wenigstens ein Verweis auf die Unsicherheit der Zuschreibung angebracht worden sei, antwortete Robert Fleck, der Leiter der Bundeskunsthalle, die Leihverträge erlaubten solche Verweise nicht. Aus demselben Grund werde das Bild nicht aus der Ausstellung entfernt, das in den Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten worden sei. Über das Inserat habe man sich nicht gewundert, weil viele Gemälde, die Modigliani zugeschrieben werden, Einzelpersonen gehörten, die keine weiteren Bilder besitzen. Kuratiert worden war die Ausstellung von Christoph Vitali, der bis Ende 2008 Intendant der Bundeskunsthalle war.

© SZ vom 27.06.2009/kar
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