Moderne Kunst Große Liebe für Skulptur

Marion Bornscheuer studierte Kunstgeschichte, Romanische Philologie und Neuere und Neueste Geschichte. Nach einem Volontariat an der Staatsgalerie Stuttgart war sie am Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg tätig.

(Foto: Museum Moderner Kunst)

Marion Bornscheuer leitet seit Mai das Museum Wörlen in Passau

Von Sabine Reithmaier, Passau

Der Umstieg sei ihr nicht schwer gefallen, sagt Marion Bornscheuer. Seit einem knappen halben Jahr leitet sie das Museum Moderner Kunst - Wörlen in Passau. Das mag man kaum glauben, schließlich war sie zuvor zehn Jahre lang am Lehmbruck Museum in Duisburg, betreute dort seit 2010 als Custodin die Sammlungen für Alte Kunst und Klassische Moderne. Doch, beharrt die 45 Jahre alte Direktorin, man habe sie hier sehr liebenswürdig aufgenommen, die Arbeit mache ihr Freude und eine hochwassersichere Wohnung habe sie auch gefunden.

Was sie vom Lehmbruck Museum mitgebracht hat, ist eine große Liebe für Skulptur. "Das ist für mich als Kuratorin die Königsdisziplin", sagt sie und lacht. Die Dreidimensionalität sei eine besondere Herausforderung. "Ich muss ganz genau überlegen, wie stelle ich eine Skulptur auf, damit die Persönlichkeit des Werks erfahrbar wird, welche Blickachsen kann ich bilden und so weiter." Kein Wunder also, dass die neue Chefin für ihre erste eigene Ausstellung sich einen Bildhauer ausgesucht hat: Franz Bernhard (1934-2013), der in Neuhäuser, heute Nové Chalupy in Tschechien, geboren wurde und dessen Werke daher gut ins Dreiländereck passen, auch wenn er überwiegend in Baden-Württemberg wirkte. In seinen Plastiken, meistens aus Holz und Cortenstahl, beschäftigte er sich mit dem menschlichen Körper, allerdings in stark abstrahierter Form.

Noch einen weiteren Bildhauer hat sie bereits fest eingeplant: den 1951 geborenen Günther Zins. Er arbeitet überwiegend mit schlanken Edelstahlstäben, die er zu Winkeln, Rechtecken, Kuben und Kreisen verschweißt. "Seine Sachen mag ich sehr", sagt Bornscheuer. Aber bevor Zins an der Reihe ist, widmet sie eine Ausstellung der Fotografin Evelyn Hofer (1922-2009), eine andere Arnulf Rainer, der 2019 seinen 90. Geburtstag feiert.

Bornscheuer, 1973 in München geboren, ist in Baden-Baden aufgewachsen, machte dort Abitur und studierte schließlich in Freiburg. Ihr erstes Berufsziel Werbegrafikerin verwarf sie bereits nach einer Schnupperlehre, in der sie stundenlang mit drei Stiften verschiedenfarbige Millimeterstriche zeichnen musste. "Dann doch lieber Theorie", also Kunstgeschichte, Romanische Philologie und Neuere und Neueste Geschichte. Sie lebte eine Weile in Paris, absolvierte Praktika am Louvre und am Centre Pompidou und promovierte mit dem Thema "Von der Bildbetrachtung zur Theorie der Malerei. Die Kunsttheorie des Sébastien Bourdon (1616-1671)".

Noch werden einige Monate vergehen, bevor sie eigene Konzepte verwirklichen kann, Vorgängerin Josefine Gabler hat ihr ein gut vorgeplantes Ausstellungsjahr hinterlassen. "Die Zeit kann ich nutzen, um mich in die Sammlung des Hauses einzuarbeiten." Dessen Stifter, Architekt Hanns Egon Wörlen, war der Sohn des Malers Georg Philipp Wörlen (1886-1954). Sein Werk sowie zahlreiche Arbeiten seiner Freunde aus den Künstlervereinigungen "Der Fels" und "Donau-Wald-Gruppe" dominieren die Sammlung, die Bornscheuer gerne dauerhaft präsentieren würde. "Diese hochkarätigen Künstler sind doch viel zu wenig bekannt", findet sie. Und das möchte sie unbedingt ändern.