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Mode-Ausstellung "Glanz und Grauen":Modetrend HJ-Frisur

Die Designerin führt den Aufschwung des Trachtenlooks auf die voranschreitende Globalisierung und dem damit einhergehenden Identitätsverlust zurück: "Plötzlich waren wir alle nur noch Weltbürger. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass die Nazi-Vergangenheit inzwischen von den Jungen gut aufgearbeitet ist und man wieder Patriot sein darf, ohne gleich einer Burschenschaft angehören zu müssen".

Elemente des Nazi-Chics finden sich auch auf den internationalen Laufstegen wieder. Wie hier bei der Frisur eines Models auf einer Show von Desiger Salvatore Ferragamo in Mailand.

(Foto: AFP)

Vor einigen Jahren hatte bereits die deutsche Designerin Eva Gronbach mit dem Tabu gebrochen, ideologisch beladene Elemente in ihren Kollektionen zu verarbeiten. Das von ihr gewählte Markenzeichen, der deutsche Adler in adaptierter Form, galt vielen als Provokation. "Ich nehme alte Symbole und lade sie mit neuer, positiver Bedeutung auf", erklärte die Designerin dem Nachrichtenmagazin Spiegel.

Sie schickte ihre Models mit Kollektionen wie "german jeans" und "mutter erde vater land" über den Laufsteg. Jedoch nicht, um einer bestimmten Ära der deutschen Geschichte zu huldigen. Gronbachs Mode ist frei von nationalsozialistischer Färbung - im Jüdischen Museum Berlin werden ihre Stücke gerne ausgestellt.

Natürlich sind es heute nicht die braunen Hemden in Kombination mit schwarzen Hosen, die wieder im Trend liegen, sondern vielmehr einzelne Elemente aus der Mode des Nationalsozialismus. Wie zum Beispiel der sogenannte "Hitlerjugend"-Haarschnitt bei Männern, der vielerorts wieder Anklang findet: Seitlich kurz rasiert, oben etwas länger mit Seitenscheitel oder mit Pomade nach hinten gekämmt. Mittlerweile tragen auch Wilson Gonzalez Ochsenknecht und der Walt-Disney-Teeniestar Joe Jonas den Haarschnitt.

In Europa ist die Frisur mittlerweile besonders in Stockholm verbreitet. Aber auch in den "hippen" Berliner Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg sind immer öfter junge Männer mit der in der Hitlerjugend populären Frisur anzutreffen. "Ironischerweise assoziiert damit niemand von ihnen Faschismus", schreibt die New York Times. Der Nazi-Chic, wie er oft bezeichnet wird, versucht mit einem Tabubruch Aufmerksamkeit zu erregen - aber eben nur ein bisschen.

"Der Nazi-Chic dient nicht als Ausdruck einer ideologischen Gesinnung, die an den Nationalsozialismus anknüpft - der Begriff dafür wäre Neo-Nazismus und hat modisch nicht viel mit dem Nazi-Chic gemein", erklärt der deutsche Medienwissenschaftler Marcus Stiglegger von der Universität Siegen. Stiglegger ist Autor des Buches Nazi-Chic und Nazi-Trash, Faschistische Ästhetik in der Populärkultur.

Warum die Mode von einst gerade so beliebt ist, hat für den Autor mehrere Gründe: "Zunächst wächst der Abstand zur historischen Epoche Nazi-Deutschlands. Die junge Generation der 20-Jährigen wächst heute ohne konkreten historischen Bezug zu dieser Zeit auf".

Nationalsozialistische Elemente neu codiert

Stiglegger meint auch, es sei weniger die Mode dieser Ära, die heute wieder so populär ist, sondern die typischen Materialien und einzelne modische Elemente, die sie aufweist. Ihm fallen dabei einige Konstanten auf: "Elemente des Traditionellen, wie bei den Trachten, natürliche Materialien wie Horn, Filz oder Leder und klare Gender-Spezifika in der Formgebung, wie etwa die Taillierung beim Dirndl. Bei den Frisuren gilt Ähnliches: Der ausrasierte Nacken bei Männern gilt als Zeichen von Männlichkeit, geflochtene Zöpfe bei langem Frauenhaar assoziieren Weiblichkeit".

"Bei diesen Tendenzen ist allerdings anzumerken, dass es sich nicht um eine gezielte Rekonstruktion historischer Kleidung handelt, sondern eher um eine Übernahme bestimmter Elemente, die neu kombiniert werden. Dabei ist allerdings zu unterschieden zwischen Uniformelementen, also dem eigentlichen 'Nazi-Chic', und andererseits der Mode dieser Zeit, die nicht per se ideologisch codiert ist, dem 'Periodic Chic'", so Stiglegger.

Mitglieder der Neonazi-Szene präsentieren sich hingegen in völlig anderer Kleidung, fernab von braunem Hemd und schwarzer Hose. Marken wie "Thor Steinar" oder "Lonsdale" weisen in ihrer Mode sehr viele Elemente der Streetwear auf. Kapuzenjacken, Polo-Shirts und Baseballkappen haben allesamt keinerlei Gemeinsamkeiten mit der Mode der dreißiger und vierziger Jahre.

Laut Stiglegger ist die junge Generation auf eine andere Weise an die modischen Elemente aus den dreißiger und vierziger Jahren gewöhnt. In Filmen wie Inglorious Basterds oder Operation Walküre tauchten diese Elemente neu codiert auf und würden cool inszeniert. Das gelte auch für Computerspiele. "Auf diese Weise geht möglicherweise tatsächlich das Bewusstsein verloren, dass es sich dabei früher einmal um die Ästhetik eines menschenverachtenden Regimes handelte. Aber es ist weiterhin die Pflicht des Bildungssystems, hier Aufklärung zu betreiben", meint Stiglegger.