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Mitmach-Ausstellung:Brettl-Kunst

Fattinger Orso bespielen den Kunstbunker

Was für ein Spaß! Wie Kinder, denen man neue Bauklötzchen geschenkt hat, bauen die Besucher im Kunstbunker an der Ungererstraße eifrig mit Holzbrettern. Schichten sie zu Türmen auf, stapeln sie treppenartig an den Wänden hoch, bauen Bänke, Stühle, Tische daraus, eine Konstruktion in Form eines Betstuhls lädt gar zum Niederknien ein, und ein kunstvoll geschichtetes Iglu zeigt, was alles machbar ist. Das Besondere aber bei dieser Brettl-Kunst-Aktion: Die Bausteine liegen zu Beginn nicht auf einem Haufen oder in Stapeln herum. Statt dessen bedecken sie schön regelmäßig verlegt wie Dielen den Boden und erscheinen erst einmal wie ein stinknormaler Bodenbelag. Wobei: Stinknormal ist gar nichts im Kunstbunker von Stefan Höglmaier, einem Raum, der von nun an unter dem auf die Konsonanten reduzierten Namen BNKR als Plattform und Experimentierfläche für Kunst und Architektur dienen soll.

Die ersten, die das Wiener Kuratorenteam Christine Haupt-Stummer und Andreas Krištof von Section.a zur Reihe "Im Raum mit_" gebeten haben, sind die ebenfalls aus Wien stammenden Peter Fattinger und Veronika Orso, die oft an der Schnittstelle zwischen Architektur und Kunst arbeiten. Ihr Prinzip ist das der Montage und Demontage. Dafür haben sie mit mehr als 800 Massivholzplanken - jede 80 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit und fünf Zentimeter hoch - 120 Quadratmeter Bodenfläche neu ausgelegt. Eine ganze Menge Holz. Aber das war eben nur das Material, das bereitgestellt wurde. Was damit geschieht, darauf wollen die beiden nur minimalsten Einfluss nehmen. Ihre Anweisung an die Besucher: "Do it yourself - bauen Sie mit - hinterlassen Sie eine Spur!"

Das Konzept ging jedenfalls in den ersten Tagen voll auf. Der Bunker erlebte eine weitere temporäre Volumenverschiebung. Beim Umbau waren die meterdicken Wände an vielen Stellen förmlich weggefräst worden, um große Lichtöffnungen zu schaffen und die Raumstruktur zu gestalten. Der von Fattinger-Orso zusätzlich verlegte Boden hebt das Ganze noch einmal an. In einigen Räumen fällt das wegen der großen Höhe nicht auf. In anderen, niedrigeren Bereichen aber entsteht dadurch ein bedrückendes Gefühl und führt die Besucher emotional an den ursprünglichen Schutzzustand des Gebäudes heran.

Weitere Aktionen werden das Konzept fortführen. Am 17. März wird Julia Willms mit ihrer audiovisuellen Rauminstallation die Wahrnehmung der Besucher hinterfragen. Am 21. April setzt Constantin Luser der Monumentalität des Bunkers filigrane Raumzeichnungen entgegen. Zum Talk mit Peter Kogler wird am 9. Juni gebeten, und am 14. Juli gibt es eine Performance mit Christian Falsnaes. Wie die Räume am Ende aussehen werden, wo die Holzplanken liegen oder ob überhaupt noch etwas davon übrig sein wird? Dann erst wird man sehen, ob das Konzept sich zu mehr entwickeln kann als zu einer Erlebniswiese für Erwachsene, die Spaß daran haben, mit Bauklötzchen zu spielen.

"Im Raum mit_": Fattinger Orso. Experimente im Grenzbereich von Kunst, Architektur und Design, BNKR, Ungererstraße 158, bis 28. Juli, Sa/So 14-18 Uhr und nach Vereinbarung 689 06 06 20

© SZ vom 26.02.2016
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