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"Mission: Impossible - Fallout" im Kino:Die tröstliche Wertarbeit des Tom Cruise

Im Alter von 56 Jahren hat Tom Cruise noch einen sechsten "Mission: Impossible"-Film gedreht.

(Foto: AP)

"Fallout", der sechste Teil der "Mission: Impossible"-Reihe, verspricht totale Verlässlichkeit in einer Welt der beständigen Umwälzungen und haarsträubenden Innovationen.

Alles wie gewohnt, alles wie immer, aber mit Verbesserungen im Detail? Im Kulturleben ist das normalerweise kein Grund zum Jubel. Ja nicht einmal in anderen Teilen des Gemeinwesens, man denke nur an die Produktpräsentationen von Apple. Ein etwas schnelleres, etwas brillanter leuchtendes iPhone? Das quittiert man mit höflichem Schulterzucken. Gehofft hätte man auf einen "Game Changer".

Und doch: Die Neu-Gier nach Abschaffung oder Überformung des Alten, die noch der Motor der künstlerischen Moderne war, drückt sich in den westlichen Demokratien inzwischen nicht mehr in Fiktionen aus, sondern in Wählerstimmen - mit den überall sichtbaren Folgen. Da ist die Meldung, dass Tom Cruise im Alter von 56 Jahren einen sechsten "Mission: Impossible"-Film gedreht hat, der in keiner Weise von der bewährten Formel abweicht und die Anforderungen seiner eigenen Handwerksethik noch einmal deutlich übererfüllt, auf einmal dies: eine Nachricht von großer Tröstlichkeit.

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Es gibt also wieder eine Mission (die Jagd nach gestohlenen Plutonium-Sprengköpfen), die er als Superagent Ethan Hunt auch ablehnen könnte, was er aber nicht tut; es gibt eine Organisation von Finsterlingen (diesmal heißen sie "Die Apostel"), die das Ende der bisherigen Weltordnung herbeisehnen und dafür Millionen Menschenleben opfern würden; es gibt Waffenhändler, Doppelagenten, Über- und Unterläufer, zwielichtige Mittelsmänner und sexy Mittelsfrauen in mondäner Umgebung; es gibt Verfolgungsjagden zu Lande, zu Wasser und in der Luft, zu Fuß und mit jeder Art der Motorisierung, und es gibt atemberaubende Cliffhanger, die tatsächlich darin bestehen, dass Tom Cruise an einer Klippe hängt.

Wer die mehr als zwanzig Jahre laufende "Mission: Impossible"-Reihe auch nur kursorisch wahrgenommen hat, weiß: Das alles ist nicht neu, das hat es so oder so ähnlich schon gegeben. Nicht zuletzt dürfte das eine Herausforderung für Tom Cruise selbst sein, dessen Markenzeichen es bekanntlich ist, die meisten seiner Stunts persönlich zu absolvieren. Wie fühlt man sich wohl als Mann in fortgeschrittenen Jahren, wenn man schon an der Fassade des höchsten Hauses der Welt hing und auf dem Flügel eines startenden Militärtransportflugzeugs herumturnte und so fort - und dazu mehr Geld auf dem Konto hat, als man je ausgeben kann?

Was fühlt jemand, der schon alles gemacht hat - und der alles hat? Er fühlt Verpflichtung

Man fühlt, zumindest ist das bei Tom Cruise wohl so, eine gewisse Verpflichtung. Du setzt dich realen Gefahren aus (am Set des aktuellen Films brach er sich, beim Sprung von Haus zu Haus in London, das Fußgelenk) und schenkst deinen Fans damit eine Art von Thrill, der anders nicht zu haben wäre. Und weil sie sich erstens dafür als loyal und dankbar erweisen und zweitens Adrenalin auch ein Suchtmittel ist, kannst du nicht einfach damit aufhören. Also feilst du mit deinen treuen Weggefährten (Christopher McQuarrie etwa, der jetzt schon zum zweiten Mal als Autor und Regisseur dabei ist) an neuen Wegen, es doch wieder aufregend zu machen.

Und tatsächlich, das mit der Loyalität und der Dankbarkeit funktioniert nun so gut wie noch nie. "Mission: Impossible - Fallout" hatte nicht nur den besten Start der ganzen Serie, sondern auch den zweitbesten in der Karriere von Cruise. "Rogue Nation", der vorige Teil, hatte zuvor schon alle anderen übertroffen. Dazu schwärmen die amerikanischen Kritiker wie nie zuvor, und auch das Publikum vergibt in seinen Bewertungen inzwischen Bestnoten. Ist es die neue Tröstlichkeit, die sie da feiern? Gut möglich. Zumindest aber ein etwas verrücktes Bekenntnis zur Wertarbeit.

So sieht die aktuelle Filmhandlung zum Beispiel vor, dass Cruise alias Ethan Hunt an einer Wohltätigkeitsgala im Grand Palais in Paris teilnimmt. Bekanntlich gibt es ungezählte, weitgehend gefahrlose und im Grunde sogar viel zu billige Wege, den Grand Palais in Paris zu erreichen (Easyjet zum Beispiel), in diesem Fall aber bleibt nur ein einziger - ein Fallschirmabsprung aus einem Militärfrachter in achttausend Meter Höhe. Die Erklärung dafür wird zwar gegeben, aber so beiläufig weggenuschelt, dass ihre Sinnlosigkeit evident ist - hier wird gesprungen um des Springens selbst willen. Wichtig ist, dass noch kein anderer Schauspieler das je gemacht hat, dass ein neuer, etwas zwielichtiger Spielgefährte dabei ist (Henry Cavill, der aktuelle "Superman", als schnauzbärtiger CIA-Agent), und dass verschärfte Ambitionen formuliert werden. Die Idee hier: Wir machen das in einem einzigen, ungeschnittenen Take.

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Das könnte man als absurd bezeichnen, weil die Szene selbst keineswegs unverändert bleibt: Zwischendrin gibt es starke elektrische Entladungen in den Wolken, die aus dem Computer stammen, und der tatsächliche Sprung fand über der Wüste von Abu Dhabi statt, die Lichter von Paris in der Tiefe sind also ebenfalls künstlich eingefügt. Und doch: Es hat seine eigene Schönheit, wie der Fallschirm-Spezialkameramann Craig O'Brien sich in der Dämmerung rücklings aus der Ladeluke fallen lässt, Tom Cruise ihm dann hinterherspringt und bis auf 90 Zentimeter herankommt, damit sein Gesicht für einen Moment scharf zu sehen ist, und die ganze restliche, wirklich ungeschnittene Aktion dann abläuft wie ein perfekt choreografierter Tanz von drei Männern im freien Fall.

Was man jetzt tun sollte? Erst mal die Ruhe bewahren und dann die Welt retten

Solche Ambitionen sind es, die "Mission: Impossible" noch immer zu einem kinematografischen Rausch machen, auch wenn man die Feinheiten der Ausführung in der Hitze des Gefechts kaum wahrnehmen kann. Sie vermitteln sich aber, vielleicht sogar weitgehend unbewusst. Was erst einmal ziemlich paradox klingt: Das Kino ist per se eine Kunst der Fälschung, nirgendwo wird mehr gefälscht als im modernen Actionfilm, und gerade dort soll es einen Unterschied machen, ob ein Gesicht wirklich mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde auf die Erde zurast oder ob es einfach nur günstig und einigermaßen glaubhaft ins Filmbild einkopiert wurde? Seltsam genug, aber man spürt die Differenz tatsächlich, irgendwo tief in der Bauchgegend.

Die weitergehende Botschaft des Films ist dann einfach, dass man Ruhe bewahren muss, selbst wenn ein paar üble Charaktere mit ihren Weltuntergangsfantasien verrücktspielen, wenn Panik und Ratlosigkeit um sich greifen, die Kräfte schwinden - und schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Wobei die Zünder der Plutoniumbomben unaufhaltsam Richtung null vorrücken. Die Vorstellung, dass noch die allerunmöglichsten Probleme lösbar seien, wenn man nicht aufgibt, kühlen Kopf bewahrt und die Gesetze der Physik im Blick behält, lässt sich in diesen Zeiten leicht ins Lächerliche ziehen. Da braucht man nur mal Angela Merkel zu fragen.

Diese Idee ist aber dennoch, da würde man Ethan Hunt durchaus zustimmen, das Einzige, was bleibt. Und wo kämen wir hin, wenn wir das nicht einmal mehr als Fiktion akzeptieren? Vielleicht ist es also kein Zufall, dass Hunt gerade jetzt seine größten Erfolge feiert, dass er sich von seiner Routine nicht hat einlullen lassen, dass sein wichtigster Einsatz trotz fortgeschrittener Jahre womöglich sogar noch vor ihm liegt. Umwälzungen, haarsträubende Innovationen, nicht für möglich gehaltene Transgressionen? Danke, passt schon, davon bietet die Wirklichkeit derzeit mehr als genug. Ein Kinoticket aber mit Tom-Cruise-Echtheitssiegel und dem Versprechen von totaler Verlässlichkeit? Das klingt so gut wie schon lange nicht mehr.

Mission: Impossible - Fallout, USA 2018 - Regie und Buch: Christopher McQuarrie. Kamera: Rob Hardy. Musik: Lorne Balfe. Mit Tom Cruise, Henry Cavill, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson. Verleih: Paramount, 147 Minuten.

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