Miss Moneypenny gestorben Sex war gestern

Lois Maxwell, die britischste Kanadierin, die der britische Geheimdienst je gehabt hat, verkörperte als Miss Moneypenny eine kühne Erotik, an der Freud seine Freude gehabt hätte. Dagegen konnte der dumpf geschüttelte Trieb eines James Bond nur abfallen. Eine Verneigung anlässlich ihres Todes.

Von Bernd Graff

Eine Rolle wie die der Miss Moneypenny kann man kaum richtig spielen. Der Name, im Deutschen: Fräulein Geldpfennig, ist schon eine seltsame Tautologie. Sie bezeichnet irgendetwas, das sich vom Allgemeinen - Geld - zum Besonderen - Pfennig - herunterwindet, ohne allerdings dabei erkennbare Fortschritte zu machen. Lois Maxwell, die unfassbar britisch wirkende Kanadierin, die eben jene legendäre "Miss Moneypenny" in immerhin 14 James Bond-Filmen verkörperte, hatte indes ihre ganz spezielle Form gefunden, das Allgemeinbesondere für sich zu definieren.

Moneypenny: Eine Erotik der weisen Kennerschaft, die weit hinter den Horizont des Flirts, ja der Lust geblickt hat.

(Foto: Foto: Getty Images)

Denn die Miss Moneypenny der Maxwell war Erotik pur.

Obwohl die adrette Miss lediglich und lediglich an der Oberfläche für die Organisation der Büroarbeit des buffbaffigen Geheimdienstchefs M zuständig war, atmete sie mit jeder ihrer Bewegungen unerfülltes, unstillbares Verlangen. Eine auf die Essenz heruntergebrochene, kreatürliche Begierde, die kaum von der sturmfesten Haarsprayfrisur, Typ: Ewigkeits-Beton, unter Dach und Fach gehalten werden konnte.

Miss Moneypenny flirtete mit James Bond, dem tumben Fleischverkoster, auf eine derart sublim-unterkühlte Art, dass Sigmund Freud eine Studie zum Thema: "Erotik der unerlösten Intelligenz" hätte anfertigen mögen - so er sie denn mal klinisch erlebte hätte.

Nein, steril war der Kryptosex der Moneypenny dann aber doch nie: Wie auch immer sie von James ignoriert und abgefertigt wurde, wie eilfertig sie seine Präsenz bei M ankündigte ... Moneypenny war nie servil, sie blieb doch stets Herrin eines Verfahrens, in dem Geschlechtlichkeit jenseits der Geschlechter und Geschlechter-Rollen verhandelt wurde. Eine Schande also, wenn es zwischen ihr und James je zum Akt gekommen wäre. Ihr Spiel war immer spannender als der Ernst.

Auch darum vergeistigte sie den heimlichen Sexus der Epoche kristalliner, als es das reale Symbol der Zeit je gekonnt hätte. Denn anders als die appetitliche Christine Keeler, die Anfang der Sechziger die Profumo-Affäre mit, nun ja, dem britischen Kabinett auslöste, benötigte der Kitzel um Moneypenny nie das Akt-Porträt, keinen Quadratmillimeter ihrer sichtbaren Haut, kein Starporträt in frivol kaschierter Nacktheit auf Arne Jacobsen-Stühlen, um die erwachsene Begierde von Erwachsenen zu versinnbildlichen.

So muss man wohl sagen, dass Moneypennys Erotik nicht hoch genug zu preisen ist, OBWOHL man Moneypenny nie erotisch fand. Denn sie verkörperte die Erotik der weisen Kennerschaft, die weit hinter den Horizont des Flirts, ja der Lust geblickt hatte. Einen Eros, der die Erfüllung nicht mehr nötig hatte.

Lois Maxwell, die britischste Kanadierin, die der britische Geheimdienst je haben konnte, machte diese Rolle zu ihrem Lebenswerk. Als sie erfuhr, dass eine andere Schauspielerin sie als Moneypenny ersetzen sollte, bot sie an, sich liften zu lassen, um die Rolle weiter spielen zu dürfen. Sie bleibt die Miss Moneypenny der aufgeklärten Herzen. Lois Maxwell starb am 29. 9. 2007 nahe Perth in Australien.

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