Theater:Nichts ist ungeheurer als der Mensch

Theater: Reenactment eines Massakers: "Antigone im Amazonas" von Milo Rau.

Reenactment eines Massakers: "Antigone im Amazonas" von Milo Rau.

(Foto: Kurt van der Elst)

Milo Rau zeigt "Antigone im Amazonas" bei den Wiener Festwochen - eine aufrüttelnde Zusammenarbeit mit der Bewegung der Landlosen in Brasilien.

Von Egbert Tholl

Milo Rau hat sich verändert. Früher stellte er in Moskau in tagelangen Reenactments juristische Prozesse gegen Künstler nach, die der orthodoxen Kirche unliebsam waren oder ging in den Kongo und errichtete dort mit realen Akteuren ein Tribunal zu Völkermord, Krieg und Raubbau. Gut, das waren seine krassesten Arbeiten, weltweite Aufmerksamkeit garantiert, auch viel Aufregung - gerade was das "Kongo Tribunal" betraf, gab es auch Stimmen, die darin eine Art kulturimperialistischen Überfall sahen. Man konnte sich aber sicher sein, dass Milo Rau jegliche Kritik an den Projekten seines "International Institute of Political Murder" stets einkalkulierte. Frei nach den Thesen seines eigenen Manifests: Kunst, die nicht wenigstens versucht, etwas an der Welt zu ändern, kann man auch bleiben lassen. Letztlich zielt ja alles, was er macht, ob in Russland, Ruanda oder Mossul (in der ehemaligen Islamisten-Hochburg ließ er 2019 "Orest in Mossul" spielen) auf Europa. Auf die alten Kolonialmächte, auf neokoloniale Strukturen.

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