Mickey Rourke wird 70:Der Provokateur

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Mickey Rourke wird 70: Er gab den Sport für die Schauspielerei auf, später machte er es noch mal umgekehrt: Mickey Rourke 2008 in "The Wrestler".

Er gab den Sport für die Schauspielerei auf, später machte er es noch mal umgekehrt: Mickey Rourke 2008 in "The Wrestler".

(Foto: Imago/Cinema Publishers)

Hollywoodstar, Boxer, Stehaufmännchen: Der Schauspieler Mickey Rourke wird 70 Jahre alt. Eine Verneigung.

Von Fritz Göttler

Er war ein schöner Mann, als er zum Kino kam, eine irrationale Schönheit, die mal engelhaft war, hinter der aber oft auch Teuflisches zu ahnen war. In "Johnny Handsome" von Walter Hill kriegt er diese Schönheit verpasst durch eine Reihe von Operationen - er ist zuerst ein missgestalteter Junge, die Gesichtszüge so deformiert und gequetscht wie die Worte, die er mühsam herausdrückt, man denkt an den Elefantenmenschen im Film von David Lynch. Nach einem verpatzten Raubüberfall kommt er ins Gefängnis, als er dann wieder rauskann, verliebt er sich, aber er will den Gedanken der Rache an den Komplizen, die ihn verraten hatten, nicht aufgeben. Der Film hat eine schöne märchenhafte Parabelhaftigkeit ... the beauty is the beast.

Geboren wurde Philip André Rourke Jr., der im Kino als Mickey Karriere machte, am 16. September 1952 in Schenectady, New York. Als Teenager hat er ein paar Jahre geboxt, den Sport wegen einer Gehirnerschütterung aufgegeben und angefangen Theater zu spielen. Mit ihm kam eine Unschuld zurück ins Kino, die seit James Dean vermisst wurde, 1982, in Barry Levinsons "American Diner", über eine Gruppe Jungs, die sich Abend für Abend an der titelgebenden location einfanden, ein bisschen quatschen, ein bisschen wichtig tun.

Den supererfolgreichen Kollegen Tom Cruise findet er "irrelevant"

Rourke war ein Spieler, nicht sehr erfolgreich, aber sehr lässig in der Ungewissheit seiner Existenz. In Francis Coppolas "Rumble Fish", ein Jahr später, war er der Motorcycle Boy, der Bruder des jungen Matt Dillon, der nach Kalifornien gegangen war, ans Meer, und dann zurückkommt nach Tulsa. Er redet nicht viel, aber sein Körper, seine Bewegungen erzählen. In "9 1/2 Wochen", 1986, hatten Kim Basinger und Mickey eine heiße sadomasochistische Beziehung, der Film machte Mickey zur Kultfigur, the sexiest man in Hollywood. Sehr sexy hat er später sogar den heiligen Franziskus gespielt, im Film von Liliana Cavani. In "Barfly" von Barbet Schroeder ist er ein Schriftsteller, das Drehbuch schrieb Charles Bukowski. In den Achtzigern begleitete Mickey Rourke Michael Cimino auf dessen bizarrem Weg in die Erfolglosigkeit, in drei films maudits, "Heaven's Gate", "Year of the Dragon" und "The Desperate Hours". In "Year of the Dragon" ist er ein Cop in Chinatown, einmal zitiert er den chinesischen Denker Mengzi: "Ein großer Mann ist, wer nicht das Herz eines Kindes verliert."

Mickey Rourke wird 70: Er redet nicht viel, aber sein Körper, seine Bewegungen erzählen: Mickey Rourke und Kim Basinger in "9 1/2 Wochen".

Er redet nicht viel, aber sein Körper, seine Bewegungen erzählen: Mickey Rourke und Kim Basinger in "9 1/2 Wochen".

(Foto: Imago/Mary Evans)

Mickey Rourke hat dann ein paar Jahre die Schauspielerei aufgegeben und sich wieder als Boxer versucht, und wieder hat er viel einstecken müssen. Es gab diverse Gesichts-OPs wegen der Verletzungen, dazu Alkoholprobleme - die Jugendlichkeit war weg. Ende der Achtziger hat er in David Bowies "Shining Star (Makin' My Love)" ein paar Rapzeilen geliefert, 1988 schrieb er sein erstes Drehbuch, für den Film "Homeboy", in dem er einen Boxer spielt, neben Christopher Walken als seinem Promoter. In Darren Aronofskys "The Wrestler" ist er Randy "The Ram" Robinson, ein Ringer, der stur an den Erfolg glaubt. Die Rolle des Butch Coolidge, wieder ein Boxer, die Tarantino ihm in "Pulp Fiction" anbot, schlug er aus, Bruce Willis übernahm sie mit Erfolg.

Mickey Rourke scheut nicht zurück vor Provokation. Er trägt ein Putin-Designer-T-Shirt - "Ein Gentleman. Good Guy" - und zuletzt drehte er "The Palace" mit dem verfemten Roman Polanski - "Gott schütze den Mann". Den supererfolgreichen Kollegen Tom Cruise findet er "irrelevant", weil der seit Jahrzehnten immer das Gleiche spielt.

Am Freitag wird Mickey Rourke siebzig. "Er ist nicht verrückt", sagt Dennis Hopper, der Vater in "Rumble Fish", von seinem älteren Sohn, dem Motorcycle Boy: "Er ist in der falschen Zeit geboren, auf der falschen Seite des Flusses. Er kann alles tun, was er will ... aber er findet nichts, was er tun will."

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