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Gleichstellung im Show Business:Die Fleißige wird laut

Primetime Emmy Awards

Wertschätzung - auch in Form von Bezahlung - fließe immer zurück in die Arbeit, sagt Schauspielerin Michelle Williams.

(Foto: dpa)

Schauspielerin Michelle Williams fordert bei den Emmy Awards gleichberechtigte Bezahlung für Männer und Frauen - schließlich hat sie auch schon ganz anderes erlebt.

In Hollywood wird kaum etwas so gern gesehen wie Filme über Hollywood. Das kann man seit einigen Wochen gut im Kino beobachten, Regisseur Quentin Tarantino hat der Filmindustrie in Los Angeles mit "Once Upon a Time in Hollywood" ein hingebungsvolles (wenn auch nicht immer geschichtstreues) Denkmal gebaut.

Dass Michelle Williams am Sonntagabend einen Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie gewann, ist also eigentlich nicht überraschend. Die Serie "Fosse/Verdon" handelt von der Schauspielerin und Tänzerin Gwen Verdon und ihrem Mann, dem Choreografen Bob Fosse, und streift die Arbeit des Paares am Broadway und später auch in Hollywood. Die Serie sei ein "bewusstes Produkt der 'Me Too'-Ära", schrieb jüngst der Guardian - und darin sogar zu beflissen: Vor lauter Darstellung des fehlerhaften Mannes hätten die Autoren manchmal vergessen, die Stärke Gwen Verdons als Künstlerin herauszustellen.

Dafür, dass Michelle Williams dies dennoch gelungen ist, hat sie nun den Emmy erhalten. Ihre Dankesrede im Microsoft Theatre in Los Angeles nutzte sie für einen Appell. Sie forderte die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen, und zwar für alle Schauspielerinnen - und alle Frauen außerhalb von Hollywood. Williams hatte beim Nachdreh für den Ridley-Scott-Film "Alles Geld der Welt" selbst sehr viel weniger Geld als ihr männlicher Kollege erhalten. Für die Szenen, die nachgedreht wurden, weil Kevin Spacey wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung herausgeschnitten wurde, erhielt Williams 1000 US-Dollar Gage, ihr Filmpartner Mark Wahlberg bekam 1,5 Millionen Dollar. Das war 2017.

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"Ich hab' dich auf aufgehoben und auf meinem Rücken getragen"

Jetzt ist 2019. Bei der Emmy-Verleihung bedankte sich Williams beim Cast, der Crew und den Filmstudios für eine Behandlung auf Augenhöhe - und dafür, dass sie die gleiche Gage erhielt wie ihr Schauspielkollege Sam Rockwell. Ihre Chefs hätten verstanden, dass Menschen, die sich wertgeschätzt fühlen, ihr Bestes gäben: "Denn was machen die Menschen mit diesem Wert? Sie stecken ihn in ihre Arbeit." Wie viel sie mit der Serie verdiente, sagte sie nicht.

In ihrer Rede erwähnte sie auch, dass die Frage des Gehalts vor allem schwarze Frauen betreffe, hier seien die Unterschiede zu den männlichen, weißen Kollegen besonders groß. Schauspielkolleginnen wie Reese Witherspoon forderten nach der Verleihung prompt, Williams solle für ihre Emmy-Rede einen Emmy erhalten.

Michelle Williams, die vor der Kamera steht, seit sie 13 Jahre alt ist, kennt man als anprangernde Stimme bisher nicht unbedingt - weil sie immer eine der Leisen war, selbst als Hauptdarstellerin. Bekannt wurde sie als Jen Lindley in der Neunzigerjahre-Serie "Dawson's Creek". In "Brokeback Mountain" spielte Williams eine Ehefrau, die ihren Mann an einen anderen Mann verliert.

Mit Filmgatte Heath Ledger bekam sie 2005 ein Kind. Als Ledger drei Jahre später starb, waren sie bereits getrennt. Williams, die im vergangenen Jahr heiratete, schirmt ihr Privatleben seit dem Tod Ledgers von der Öffentlichkeit ab, was nicht ganz leicht sein dürfte für eine Frau, die vier Mal für den Oscar nominiert war und fünf Mal für den Golden Globe (2012 gewann sie den Preis für ihre Darstellung der Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn").

In "Fosse/Verdon" ist den beiden Künstlern übrigens klar, dass Fosse ohne seine Partnerin nicht denselben Ruhm erlangt hätte wie mit ihr: "Ich hab' dich aufgehoben und auf meinem Rücken getragen", schleudert Williams in einem Streit ihrem Schauspielkollegen Sam Rockwell entgegen. Dass dieser Satz von einer Frau kommt, die vor allem immer wieder sich selbst aufgehoben hat, aber auch fleißig war und in den letzten zehn Jahren einen Film nach dem anderen gedreht hat, ist vermutlich ein weiterer Grund dafür, warum Hollywood Michelle Williams so verehrt.

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