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Michael Jackson: Posthumes Album:Sein letzter Wille

Früher tat Michael Jackson alles, was man ihm sagte, später wollte er, dass alle taten, was er sagte. Also hat man für sein posthumes Album den alten Jackson-Pop aus dem Schrank geholt und neu zusammengewürfelt.

Jens-Christian Rabe

Als Anfang November der erste Song des neuen Albums offiziell veröffentlicht wurde, bezweifelte La Toya Jackson, dass auf der Aufnahme wirklich ihr im Juni 2009 verstorbener Bruder Michael zu hören ist. Tatsächlich hörte sich der Sänger auf "Breaking News" an, wie einer, der so tut, als wäre er Michael Jackson, der so tut als wäre er Michael Jackson. Aber wo war noch mal das Problem? War das nicht die Jobbeschreibung des King of Pop seit mindestens 15 Jahren?

Tribut fuer Michael Jackson

Am Ende muss es für Michael Jackson eine fast unmenschliche Aufgabe gewesen sein, Michael Jackson zu sein. Peter Pan war das schlimmste passiert, was man sich denken kann: Er hielt es nicht mehr aus, ein Kind zu sein.

(Foto: ddp)

Wer im vergangenen Jahr den Dokumentarfilm "This Is It" sah, für den die Aufnahmen der Proben für die fünfzig geplanten Konzerte Jacksons in London zusammengeschnitten wurden, der bekam einen Eindruck davon, was es für Michael Jackson zuletzt für eine übermenschliche Aufgabe gewesen sein muss, Michael Jackson zu sein. Das Monster, das der 50-Jährige erschaffen hatte, war unübersehbar nur noch im Scheinwerferlicht zu kontrollieren, während in brachialer Lautstärke die alten Monster-Hits liefen. Abseits der Bühne fiel der eben noch verblüffend explosive Entertainer Jackson wieder in sich zusammen. Der Mensch Michael Jackson wirkte schwach, zerbrechlich, hilfsbedürftig. Peter Pan war das schlimmste passiert, was man sich denken kann: Er war immer noch fest entschlossen, nicht erwachsen werden zu wollen, hielt es aber offenbar nicht mehr aus, ein Kind zu sein.

Das am kommenden Freitag erscheinende erste posthume Album "Michael" (Sony) zu nennen, hätte man dem Mann deshalb vielleicht auch ersparen können. Öffentlich werden von den Menschen, die einen Nachnamen haben, eigentlich nur Kinder und Reality-Show-Kandidaten allein mit ihrem Vornamen genannt. Also Menschen, die noch nicht oder nicht mehr auf Würde und Ansehen ihrer Person bestehen können.

Da wo es der Sache Glaubwürdigkeit verschafft, hat der letzte Wille des Meisters aber natürlich doch seinen Platz. Von "Hold My Hand" heißt es, dass mit der Entscheidung den Song zur ersten Single des Albums zu machen, "einem Wunsch Michaels entsprochen" worden sei. Dieser habe "in einer handschriftlichen Notiz" verfügt, dass "Hold My Hand" die "erste Single seines nächsten Projekts sein solle". Die Hand gehalten hatte ihm dabei schon 2007 der amerikanische Produzent, Songwriter und Sänger Akon, der Jacksons Duettpartner auf der Aufnahme ist und die vorliegende Fassung auch fertigstellte. Im Booklet erzählt er ehrfürchtig von der Zusammenarbeit: "Wir hatten darüber gesprochen, einmal etwas zusammen zu machen, also entschied ich mich dafür, ihm ,Hold My Hand' persönlich vorbei zu bringen. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, ob es ihm gefiel und war gespannt, welche Ratschläge er mir geben würde. Er mochte den Song und wir gingen gemeinsam ins Studio. Danach hatte ,Hold My Hand' ein ganz anderes Niveau."

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