Schauspieler:Michael Degen ist tot

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Schauspieler: Gestorben im Alter von 90 Jahren: Schauspieler Michael Degen.

Gestorben im Alter von 90 Jahren: Schauspieler Michael Degen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Der Schauspieler starb am Samstag in Hamburg im Alter von 90 Jahren. Einem großen Publikum war er durch die Serie "Donna Leon" bekannt.

Der Schauspieler Michael Degen ist tot. Er starb am Samstag in Hamburg im Alter von 90 Jahren, wie der Rowohlt-Verlag mitteilte. "Wir trauern und verneigen uns vor einem Menschen und Künstler, der mit seiner Wärme und Begeisterung berührte und mitriss, und dessen vielseitiges Werk bleiben wird", hieß es weiter.

Degen war einem großen TV-Publikum zuletzt vor allem dank der "Donna Leon"-Krimiserie der ARD vertraut. Darin verkörperte er jahrelang den "Vice-Questore Patta". Zuvor hatte der Künstler in zahlreichen klassischen, modernen und unterhaltenden Rollen auf wichtigen Bühnen sowie in Film und Fernsehen Erfolge gefeiert. Einem großen TV-Publikum wurde Degen 1979 als Bendix Grünlich in Franz Peter Wirths "Die Buddenbrooks" bekannt. Er arbeitete mit Regie-Größen wie Peter Zadek, Claude Chabrol und Ingmar Bergman zusammen und inszenierte auch selbst. Häufig trat er aber auch in leichteren Sendungen auf - von "Derrick" und "Klinik unter Palmen" bis zu "Traumschiff" und "Rosamunde Pilcher".

Geboren wurde Degen als Sohn jüdischer Eltern 1932 in Chemnitz, in Berlin wuchs er auf. Sein Vater, ein tuberkulosekranker Kaufmann und Professor für Sprachen, wurde 1939 ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert und dort von den Nazis nahezu totgeschlagen. Er starb ein Jahr später, nachdem sie ihn entlassen hatten. Während Degens älterem Bruder die Flucht in das damalige Palästina gelang, blieb er mit seiner Mutter zurück in Berlin. Sie entkamen 1942 knapp der Deportation nach Auschwitz und überlebten bis Kriegsende mit Hilfe einiger zivilcouragierter Menschen versteckt in einer Ostberliner Laubenkolonie.

Degen schrieb diese Familiengeschichte Jahrzehnte später auf. 1999 erschien das Buch mit dem Titel "Nicht alle waren Mörder. Eine Kindheit in Berlin". Der Stoff wurde 2006 außerdem verfilmt. Mit der NS-Vergangenheit setzte sich Degen außerdem in Egon Monks "Die Geschwister Oppermann" (1983) und Michael Kehlmanns "Geheime Reichssache" (1987) auseinander.

Degen war 1949 nach Israel ausgewandert, kehrte aber nach zwei Jahren zurück. Aus Sehnsucht, in seiner Muttersprache Theater zu spielen, wie er später erzählte. Zeitlebens war er dann israelischer und deutscher Staatsbürger.

Zu seinem 90. Geburtstag am 31. Januar gratulierte ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und zeigte sich von seinem Lebensweg beeindruckt: "Ihre Biografie spiegelt den Abgrund deutscher Geschichte. Trotz allem, was Ihnen und Ihrer Familie angetan wurde, haben Sie sich nicht von Deutschland abgewandt". Degen erklärte damals, wie sehr ihn das Wiedererstarken rechter Kräfte entsetze. "Dass junge deutsche Juden wieder um ihr Leben fürchten müssen, dass Antisemitismus und Rassismus nicht zu tilgen sind, lässt mich mit ohnmächtiger Wut zurück." Und angesichts seines eigenen Einsatzes dagegen in Büchern, Rollen und Interviews fügte er hinzu: "Glauben Sie mir, das ist keine befriedigende Bilanz nach 90 Jahren Leben."

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