Süddeutsche Zeitung

Michael Bublés Weihnachten:"Absurde Menge an Liebe"

Lesezeit: 3 min

Er ist der Welt liebster Schwiegersohn - und der Weihnachtsprofiteur 2011. Der kanadische Jazzsänger Michael Bublé lieferte mit seinem neuen Album den Soundtrack für die Adventszeit. Bloß wie verbringt er selbst die Feiertage?

Kristin Rübesamen

Seit mehr als vier Wochen steht der kanadische Jazzsänger Michael Bublé, 36, auf Platz eins der amerikanischen Charts; mit seinem Weihnachtsalbum. Advent 2011 - das war ein einziger PR-Ritt für ihn. Und zwischendurch hat er sich noch Gedanken gemacht, ohne welche Dinge Weihnachten kein Weihnachten für ihn wäre.

Bärte

Bei uns zu Hause schlüpfte jedes Jahr mein Vater in dasselbe billige Kostüm, das nicht mal aus Samt war, sondern durch und durch Plastik. Zum Schluss befestigte er den immer gleichen, längst fadenscheinigen Bart an seinen Ohren und rannte dann "heimlich" aus dem Haus, um zwei Minuten später an der Haustür zu klopfen. Weil er im echten Leben einen sehr beeindruckenden schwarzen Schnurrbart trug - einen von der Sorte, wie ihn Leute tragen, die nicht lange fackeln, rutschte der Santa-Bart beim ersten "Ho, Ho, Ho" langsam nach unten und gab seinen Schnurrbart frei. Wir taten natürlich so, als sei alles in Butter. Obwohl ich jede Menge Freunde und Geschwister mit kleinen Kindern habe, die mich ruhig mal fragen könnten, ob ich Santa spielen möchte, halten sich die Anfragen in Grenzen. Irgendwas fehlt mir, fürchte ich.

Geschenke

Was ich mir dieses Jahr wünsche? Weltfrieden natürlich. Anderseits, wie wäre es mit einem hübschen 3D-TV-Center? Vielleicht nicht altruistisch genug, aber so viel Spaß . . . Oder doch Weltfrieden? Ich bin etwas unentschlossen. Mein Geschenk an meine Familie ist, so kitschig sich das anhören mag, meine Zeit. Und natürlich würden auch sie vom TV-Center profitieren.

Vorfreude

Ich komme aus einfachen Verhältnissen, mein Vater war Lachsfischer, und wir Kinder hatten natürlich immer nur die miesen Adventskalender aus dem Supermarkt, aber wir fanden sie trotzdem am tollsten. Ich blickte nach dem zehnten Tag ins Leere, weil ich schon die ganze Schokolade aufgegessen hatte, anders als meine Schwestern, diese Streber.

Kinder

Vor mehr als zehn Jahren, bevor ich einen Plattenvertrag hatte, war ich fett und persönlich beleidigt vom Leben. Es schien nirgends hinzugehen, und mein Programm bestand darin auszugehen und abzustürzen. Ziemlich traurig, ehrlich gesagt. Das änderte sich, als meine Schwestern Kinder bekamen und die auf einmal mein Mittelpunkt wurden. Das ist auch der Grund, warum ich es nicht erwarten kann, selbst Kinder zu haben.

Nächstenliebe

Ich bin sehr katholisch erzogen, musste den Katechismus lernen, habe alles mitgemacht: Taufe, Kommunion, Firmung. Wir sind früher immer in die Mitternachtsmesse gegangen. Aber das mache ich seit einiger Zeit nicht mehr. Ich habe zwar eine sehr innige Beziehung zu Jesus, aber nicht zur Kirche. Wie sie mit Schwulen umging, irritierte mich schon als Kind. Ich heiße immerhin nach meinem Onkel Michael, der mit seinem Freund seit 35 Jahren zusammen ist.

Verhasster Ohrwurm

Meistens gibt es jedes Jahr diesen einen schlimmen Ohrwurm, den man Mitte Dezember nicht mehr hören kann. Bei mir ist es jedes Jahr derselbe: "Merry Christmas Darling" von den Carpenters. Ist nicht die feine Art, das zu sagen, aber da schüttelt es mich einfach vor Ekel.

Party

Ich habe einen Freund, der seinen Bruder als kleines Kind verloren hat. Er hasst Weihnachten, also kommt er zu uns, dann wird es erträglich. Weihnachten ist eine riesige Party bei uns, vier Tage lang. Es sind einfach überall Leute, manche tanzen, manche unterhalten sich. Ich sehe mir einen Film mit meinen Neffen an, es ist ein herrliches Rumgehänge. Auf Außenstehende muss es komisch wirken. Denn es gibt einfach diese absurde Menge Liebe in meiner Familie. Du kannst keinen halben Meter gehen, ohne dass dich einer packt und umarmt und deinen Hintern quetscht.

Essen

Bei uns beginnt Weihnachten mit einem Frühstück bei meinem Onkel. Dann gehen wir nach Hause, ich mache ein Nickerchen und gehe dann mittags zu meinem besten Freund Carsten, einem Dänen. Dabei gehört es sich, dass wir tüchtig Aquavit trinken und ein dänisches Lied singen, das sich anhört wie: "Bjalde klang, bjalde klang . . ."

Spätestens dann fängt meine Mutter an anzurufen und zu schimpfen, dass ich nach Hause kommen muss, um mit allen abendzuessen, und wehe, ich bin wieder betrunken . . . Wir sind Italiener, es geht wirklich nur ums Essen. Mittlerweile ist es etwas ausgeufert. Wir feiern seit ein paar Jahren in meinem Haus, es kommen zwischen 40 und 50 Leute zu mir, das Essen bringt ein Caterer. Ich schleiche mich immer noch zu Carsten, meinem dänischen Freund. Jetzt telefoniert mir nur nicht mehr meine Mutter hinterher, sondern meine Frau.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1242978
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 24.12.2011/pak
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.