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Messe:"DJs sind die neuen Rockstars"

BERLIN FESTIVAL 2015 DJ Westbam bürgerl Maximilian Lenz während eines Auftrittes im Rahmen des

Eine der Szenegrößen: DJ Westbam, der mit bürgerlichem Namen Maximilian Lenz heißt, wird am Samstag zur Münchner "Mixcon" kommen.

(Foto: imago)

Bernd Closmann und Jens Witzig veranstalten die dritte "Mixcon"

Nicht nur ihre Handys vibrieren permanent, trifft man Bernd Closmann und Jens Witzig in einem Café zum Interview. Auch andere neugierige Gäste stellen ihnen Fragen über ihr Projekt. Zusammen mit Josef Kraus und Stoyan Velkov veranstalten sie zum dritten Mal die "Mixcon", eine Messe für elektronische Musik. Und das mag durchaus verwundern, ist München doch nicht gerade berühmt für seine Elektro-Szene. "Da muss ich direkt dazwischengrätschen", sagt Closmann, wenn man diese Vorbehalte äußert: "In den Neunzigern hatten wir hier Clubs wie das Ultraschall. Das war damals in ganz Europa bekannt. Und auch momentan ist unter dem Radar wieder extrem viel los." Witzig und Closmann sind beide seit Jahrzehnten in der Clubszene Münchens zugange. Als DJs und Veranstalter kennen sie sich nicht nur in München bestens aus, sondern wissen auch Bescheid über die Sorgen und Nöte des DJ-Daseins. So kam es auch, dass sie öfter auf Musikmessen unterwegs waren: "Wir fanden aber, dass das DJ-Thema da immer zu kurz gekommen ist. So kamen wir auf die Idee, selber eine Musikmesse zu veranstalten, nur eben für DJs", erklärt Witzig.

"Am Anfang stand da dieser euphorische Gedanke: Man mietet eine Halle, alle Aussteller kommen von alleine, und am Ende geht man mit bergeweise Geld nach Hause. Eine schöne Vorstellung, die aber leider nicht ganz der Realität entsprochen hat", wie Witzig schmunzelnd zugibt. Schnell reifte die Erkenntnis, dass man mehr bieten muss, als eine reine Technikausstellung. Deswegen hat die Mixcon mittlerweile vor allem den Charakter einer Konferenz: in Panels und Schulungen diskutieren DJs, Manager und Labelchefs über den Stand der Dinge in der Branche und bringen Nachwuchs-DJs neue Fertigkeiten bei. Die Mixcon verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz: "Wir bilden den ganzen Prozess ab: Wie produziert man, wie kommt man zum Label, und wie geht's danach weiter? Egal auf welchem Level man zur Messe kommt, man findet immer Informationen, die weiter helfen", so Closmann. Nachts verlegt sich das Geschehen dann in die Clubs der Stadt wie das P1, die Milchbar oder das Harry Klein, wo viele der teilnehmenden DJs auflegen werden.

Zum ersten Mal findet die Mixcon dieses Jahr in der BMW-Welt statt. Ein großer Schritt für das junge Projekt, wie die beiden Veranstalter betonen. Doch dass es sich auszahlt, davon sind sie überzeugt: "Die BMW-Welt ist eine international bekannte Location, die viel hermacht und mit der man langfristig planen kann. Wir hoffen natürlich trotzdem auf viele verkaufte Tickets, damit wir nicht das ganze restliche Jahr Teller spülen müssen, um das Geld wieder reinzubekommen", sagt Witzig. Optimismus ist aber durchaus angebracht, wenn man auf die Teilnehmerliste schaut, die dieses Jahr noch internationaler und prominenter besetzt ist.

Selbst die Techno-Legende Westbam hat sich angekündigt. Dass eine Messe für elektronische Musik auch in Zukunft vonnöten sein wird, davon sind die beiden überzeugt: "DJs sind die neuen Rockstars. Die Gagen sind in den vergangenen Jahren explodiert. Durch das Internet ist es heutzutage viel leichter, Musik zu produzieren und zu veröffentlichen. Man muss nur die Klaviatur bedienen können. Dabei können wir helfen. Auf der anderen Seite wird heutzutage so viel Musik produziert, dass es allen in der Branche schwer fällt, den Überblick zu behalten. Auch dafür macht eine Messe Sinn."

Mixcon - DJ-, Producer- und Music-Conference, Freitag und Samstag, 1. und 2. März, 12 bis 20 Uhr, BMW-Welt, www.mixcon-munich.de

© SZ vom 01.03.2019
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