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Mel Gibson im Interview:Vergebung für Mel Gibson

Mel Gibson

Die vielen Gesichter des Mel Gibson: Sexsymbol, Kassenmagnet, Action-Spaßvogel, Oscar-Regisseur und ultrachristlicher Geißelungsorgiast.

(Foto: dpa)

Sein Antikriegsfilm "Hacksaw Ridge" hat dem Schauspieler und Regisseur eine Oscar-Nominierung beschert - eine künstlerische Auszeichnung nach Jahren der Skandale.

Mel Gibson steht am Fenster im 18. Stockwerk eines Hochhauses in Beverly Hills und betrachtet den Sonnenuntergang. Ausgelatschte Schuhe, ausgebeulte Jeans, schwarzes Hemd über Wohlstandsbauch. Er deutet auf den Pazifik: "Schauen Sie mal, ist das nicht schön?" Dann macht er es sich in einem Sessel bequem, legt die Füße auf den Tisch und wuschelt durch Haare und Fünftagebart.

Natürlich ist es völlig irrelevant, wo ein Interview mit einem Hollywoodstar stattfindet, welche Klamotten er trägt und was er isst. Was sagt es denn über Winona Ryder aus, dass sie ein The-Clash-Shirt trägt und Tee trinkt? Überhaupt nichts, und dennoch ist die Versuchung groß, den Ort und die Kleidung und das Essen zu beschreiben, um nach einer 30-Minuten-Begegnung zumindest die Illusion von exklusivem Zugang und Intimität zu konstruieren.

"Wer nicht verzeihen kann, der wird irgendwann verbittert sein"

Bei Gibson ist das anders, weil eine Begegnung aufgrund seiner Vergangenheit komplizierter ist als mit anderen Stars und einen dieser erste Eindruck nachdenklich werden lässt: Ist es ihm wirklich egal, was andere von ihm denken? Oder will er nur den Eindruck vermitteln, dass es ihm egal ist, was andere von ihm denken?

Immerhin kehrt er in diesen Tagen aus einer langen Verbannung zurück. Nach Karrierephasen als gefährliches Sexsymbol ("Mad Max"), Kassenmagnet, Action-Spaßvogel ("Lethal Weapon"), Oscar-Regisseur ("Braveheart") und ultrachristlicher Geißelungsorgiast ("The Passion of the Christ") war er mehr als zehn Jahre lang eine unerwünschte Person in Hollywood.

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Nun hat er das wunderbare Antikriegsdrama "Hacksaw Ridge" gedreht und wurde am Dienstag als bester Regisseur für die Oscars nominiert - das gilt in der Filmbranche nicht nur als künstlerische Auszeichnung, sondern wird als Zeichen der Vergebung interpretiert.

"Wer nicht verzeihen kann, der wird irgendwann verbittert sein - und wer nicht um Vergebung bitten kann, der mischt ein Gift für andere und vergiftet sich am Ende doch nur selbst", sagt er im Interview: "Hollywood ist kein Wohltätigkeitsball, sondern ein Geschäft." Er spricht über Egoismus in der Filmbranche, über Ratschläge von Sylvester Stallone und die mögliche Oscar-Nominierung. Er behauptet zwar, dass ihm die Meinung anderer mittlerweile nicht mehr so wichtig sei ("Was ich gelernt habe: Es kann mir völlig egal sein, was andere von mir halten."), es wird dann aber während des Gesprächs doch deutlich, wie viel ihm eine Oscar-Nominierung bedeutet - jedoch aus anderen Gründen, als man vielleicht denken mag.

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