"Meine geniale Freundin" Bestseller-Autorin Elena Ferrante offenbar enttarnt

Das Cover des Bestsellers "Meine geniale Freundin"

(Foto: dpa)
  • "Meine geniale Freundin" steht seit Wochen auf den obersten Plätzen der Bestseller-Listen. Geschrieben hat das Buch eine Autorin mit dem Pseudonym Elena Ferrante.
  • Dahinter versteckt sich eine Frau namens Anita Raja, berichtet nun zumindest ein italienischer Reporter.

Für den Economist ist Elena Ferrante der Charles Dickens des 21. Jahrhunderts. Der Guardian vergleicht ihren Schreibstil mit dem von Franz Kafka. Seit Wochen steht Ferrantes neuer Roman "Meine geniale Freundin" auf den obersten Plätzen der Bestseller-Listen. Bislang wusste keiner, wer hinter dem Pseudonym steckt. Doch nun hat ein italienischer Reporter Recherchen veröffentlicht und vielleicht eines der größten Rätsel der Gegenwartsliteratur gelöst.

Angeblich heißt die Frau hinter Elena Ferrante in Wahrheit Anita Raja, berichtet der Reporter im New York Review of Books. Demzufolge wohne Raja als Übersetzerin in Rom. Ihre Mutter sei aus Deutschland vor dem Holocaust geflohen. Ihr Ehemann soll der Schriftsteller Domenico Starnone sein. Anita Raja sei eine einfache freie Übersetzerin, sagte ein Sprecher des italienischen Verlags der Zeitschrift. Sie sei keine feste Mitarbeiterin des Verlags.

Millionenauflage, aber kein öffentlicher Ruhm

Der italienische Reporter, Claudio Gatti, der nun Anita Raja als Autorin enttarnt haben will, hat mehrere Finanzdaten zusammengetragen, die auf Raja hindeuten. Er beruft sich auf Zahlungsbelege des Verlags, die parallel zu Ferrantes Erfolg enorm gestiegen wären. 2015 habe sie sieben Mal so viel Geld vom Verlag bekommen wie 2010. Außerdem beruft der Journalist sich auf Auszüge aus dem Grundbuchamt, die zeigen, dass Raja wertvolle Immobilien besitzt, die sich eine Übersetzerin wohl nicht leisten könnte.

Anita Raja und ihr Ehemann Starnone hätten auf Anfragen nicht reagiert, berichtet der Reporter. Die Eigentümer des italienischen Verlags Edizioni e/o hätten seine Informationen nicht bestätigen oder dementieren wollen. "Wir werden das nicht beantworten", sagte ein Miteigentümer demnach, der Bericht sei ein "Angriff auf die Privatsphäre von Ferrante".

"L'amica geniale", wie der Roman im Originial heißt, erschien in Italien im Jahr 2011. Es ist ein Auftaktband, zur Folge gehören vier Romane mit insgesamt fast zweitausend Seiten. Bisher wurden von "L'amica geniale" rund 200 000 Exemplare verkauft, frühere Romane der Autorin erreichten ähnliche Auflagen in Italien. In den USA erschien der erste Band, der nun in Deutschland von Suhrkamp verlegt wird, schon im Jahr 2013. Amerikanische Kritiker lobten das Buch, sie lösten eine Euphorie auch in anderen Ländern aus. Auf Englisch haben ihre Werke eine Auflage von 2,6 Millionen erreicht.

Dass Elena Ferrante ein Pseudonym ist, hat ihren Erfolg offenbar befördert. Der Name erinnert an die italienische Schriftstellerin Elsa Morante. Deren Werk "La storia", ein Monument der Alltagsgeschichte, verursachte 1980 in Italien einen ähnlichen Furor wie heute Elena Ferrante.

Lesen Sie hier die Rezension von "Meine geniale Freundin":

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